Januar 2002
Der Kartenverkauf für die WISE GUYS Totalnacht

Am 6. Februar 2002 sollte die berüchtigte Totalnacht stattfinden, ein Konzertabend, an dem die Wise Guys von 19 Uhr abends bis 1 Uhr morgens singen würden. Das Ganze war total bekloppt, total anstrengend, total schön und die Karten dafür natürlich heißbegehrt. Damit auch Leute außerhalb Kölns eine faire Chance hatten, wurde ein Teil der Karten über Köln-Ticket zum Verkauf angeboten. Pro Anrufer auf 4 Karten beschränkt.

Am Montag, dem 7. Januar begann der Kartenvorverkauf. Normalerweise konnte man bei Köln-Tickett ab 8 Uhr Karten bestellen, aber ich hatte gehört, dass der Verkauf für die Total-Nacht erst um 9 Uhr starten sollte. Sicherheitshalber rief ich um 8 Uhr 20 mal an, kam sofort durch und wurde tatsächlich auf 9 Uhr vertröstet. Na gut. Eine Minute vor 9 griff ich erneut zum Hörer, wählte und hörte sofort das Besetztzeichen. Alles dicht - aber wie. 11 Minuten lang versuchte ich es in längeren und kürzeren Abständen, bis ich endlich ein Freizeichen bekam, etwa 2 Minuten lang der Warteschleifenmusik lauschen mußte und dann tatsächlich eine Mitarbeiterin von Köln-Ticket dran hatte. “Ich hätte gerne Karten für die Wise Guys Total Nacht.” sagte ich freudig und erhielt die Antwort: “Tut mir leid, es gibt keine mehr. Wir waren innerhalb von 4 Minuten ausverkauft.” Wow!!

Ich fand das sensationell und freute mich über diesen Erfolg. Im Gästebuch der Wise Guys hagelte es jedoch böse Briefe, die ich mit großen Augen las. Endlich wurde mir die ‘rosarote Brille’ abgerissen und ich sah, was die Wise Guys in Wirklichkeit waren: Hinterhältige, arrogante Typen, die dieses ganze Theater nur inszeniert hatten, um Werbung für das Tanzbrunnenkonzert zu machen. In Wahrheit hatte es nur ganz wenig Karten gegeben, die meisten waren vorher unter der Hand weggegangen und die Wise Guys hatten genau gewußt, was für ein Chaos das geben würde. Außerdem hatten sie bewußt falsch informiert, verschwiegen, dass es auch Büro-Vorverkaufsstellen gab und die Nicht-Kölner damit chancenlos ans Telefon getrieben. So stand es jedenfalls in vielfältigen Ausführungen im Gästebuch der Wise Guys, geschrieben von Ex-Fans, die alle nie mehr zu einem Konzert gehen würden. Ah ja. (Anmerkung für erschrocken Guckende: Der letzte Abschnitt besteht fast nur aus zusammengefaßten Zitaten aus dem Wise Guys Gästebuch und ist ganz bestimmt nicht meine eigene Meinung!)

Obwohl ich die schreckliche Wahrheit nun erfahren hatte, konnte ich es doch nicht so richtig glauben. Aber ich war ja auch blond, naiv und ließ mich schon lange von dem sympathischen Aussehen und dem Charme der fünf Jungs täuschen. In meiner Naivität hatte ich sogar schon vorher überlegt, dass es schwierig sein könnte, an Karten zu kommen, denn wenn die Wise Guys 12.000 Leute in den Tanzbrunnen bekommen konnten, und nur 10 Prozent davon Interesse an der Totalnacht hätten, bei der es nur 1000 Plätze gab.....

In der Nacht sollte es dann nochmal 50 Karten bei Köln-Ticket geben und einige Leute hingen stundenlang vor dem Computer und warteten auf die Freischaltung. Gegen Morgen gingen die meisten frustriert schlafen und es gab nur wenige, die um 5 Uhr 30 müde, aber glücklich zuschlagen konnten.

Kurz nach dem blitzschnellen Vorverkauf wurden im Internet die ersten Karten angeboten. Für sagenhafte 200 Euro konnte man Eintrittskarten ersteigern und wieder schlugen im Gästebuch die Emotionen hoch. Die einen empörten sich über die Preistreiberei, die anderen wollten die Totalnacht in einer größeren Halle haben, es gab Beschwerden über Köln-Ticket, über den Kartenverkauf an sich, über die hinterhältigen Wise Guys und empörte Berichte, dass man einen Gutschein für die Totalnacht-Karten zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte, jetzt aber keine Karten bekam. Wenn ich ein Wise Guy wäre, hätte ich mir zu diesem Zeitpunkt Gedanken gemacht, ob ich überhaupt nochmal eine Totalnacht machen würde. So viel Arbeit, Anstrengung und Aufwand, der Erlös für einen guten Zweck und dann so viel Ärger? Wieso glaubten so viele Leute ein Anrecht auf Karten zu haben? Hey, die Wise Guys waren keine kleine, unbekannte Gruppe mehr! Es gab mehr als genug Fans um die Halle vollzukriegen.

Sehr wohltuend, dass es trotzdem einige Leute gab, die Karten zum Einkaufspreis abgaben, oder sogar eine witzige Telefonaktion darum starteten. So konnte man am 15. Januar bei einem netten Menschen anrufen, Fragen zu den Wise Guys beantworten und damit an einer Verlosung zum Erhalt von Karten zum Originalpreis teilnehmen. “Aus den richtigen Antworten ziehe ich unter Aufsicht meiner Frau den Gewinner” fand ich die schönste Formulierung. Alle Anrufer hielten sich exakt an die Zeiten, 15 kamen durch und alle waren freundlich. Eine klasse Idee!

Die letzte Chance an Karten zu gelangen war der Büro-Verkauf am 19. Februar. Ab 11 Uhr morgens konnten persönlich Erscheinende jeweils 2 Karten kaufen. Natürlich nur so lange der sehr begrenzte Vorrat reichte. Wieviele Fans von dieser Möglichkeit Gebrauch machen würden, war völlig unklar.

Ich wachte am Samstag um kurz vor 7 auf, hörte den Wind leicht ums Haus pfeifen und dachte sofort an die verrückten Leute, die in Kälte und Dunkelheit schon vor dem Büro stehen mussten. Brrrr! Mein Bett kam mir gleich noch viel gemütlicher vor. Das war gemein von mir, aber während ich mich tiefer in meine kuschelige, molligwarme Decke wühlte, dachte ich daran, wie ich vor zwei Jahren in aller Frühe vor dem Dom-Forum stand, um Karten für die Totalnacht 2000 zu bekommen. Da war es so windig-frostig, dass ich mir eine dicke Erkältung zuzog, die erst kurz vor dem Konzert wieder weg war. Dafür stand ich weit vorne, hatte stundenlang Unterhaltungen mit anderen frierenden Verrückten und trank viel heißen McDonalds-Kakao, um mich kurzzeitig etwas aufzuwärmen. Ich fand das lange Anstehen total blöd, aber ich wollte unbedingt zur Totalnacht. Völlig durchgefroren kaufte ich schließlich meine Karten am Tisch bei Dän, der mich da noch nicht kannte. Was? Das war erst zwei Jahre her? Mit sentimentalem Grinsen stand ich auf, denn auch ich hatte vor zum Wise Guys Büro zu fahren. Allerdings erst etwas später und nur um Fotos zu machen. 

Um 9 Uhr 45 kam ich am Büro an und war fast erstaunt, dass gar nicht so unheimlich viel los war. Eine ordentliche Schlange hatte sich gebildet und stand ein gutes Stück den Bürgersteig entlang, aber von chaotischen Verhältnissen war das weit entfernt. Da hatte wohl der Streß bei Köln-Ticket viele Leute vom Büroverkauf ferngehalten.

Die beiden ersten Mädchen in der Reihe hatten den absoluten Rekord mit einer Wartezeit seit 2 Uhr 30! Wahnsinn! Sie waren in den frühen Morgenstunden aus Frankfurt angereist und sahen dafür noch ziemlich fit aus. (Auf dem Bild die beiden Mädels in der Mitte)

 

Um 6 Uhr hatte sich ein Kölner dazugestellt, um 6 Uhr 5 eine Bonnerin und (Originalzitat der nächsten in der Reihe:) “Halb sieben aus Siegen.” Kurz dahinter stand sogar eine Düsseldorferin, die ihr Auto frech und mutig unmittelbar vor dem Büroeingang geparkt hatte.

 

 

Die Stimmung war gut und wurde noch besser, als Ferenc, Sari und Dän mit Thermoskannen ankamen und die Wartenden mit heißem Kakao, Kaffee und Tee versorgten. Sogar Zucker gab es, allerdings keine Löffel, aber darüber meckerte keiner so richtig. Der nette Service wurde sogar sehr begeistert und mit viel Lob angenommen.

 

Um kurz vor 11 wurde die Bürotür weit geöffnet und ein Tisch in den Eingang geschoben. Tine aus dem Büro und Sari setzten sich dahinter und während die Schlangesteher wie an Silvester die letzten Sekunden laut auszählten, wurde die Kasse geöffnet und der Verkauf ging pünktlich los. Alles blieb sehr gut gelaunt und streßfrei, und nur am Ende der Schlange gab es besorgte Gesichter und die bange Frage: Wieviele Karten gibt es und an wievielter Stelle stehen wir hier?

 

Pünktlich ab 11 Uhr begann auch das Telefon im Büro pausenlos zu klingeln, da einige Leute wohl dachten, dass der Verkauf auch telefonisch zu regeln wäre. Ferenc erklärte den Anrufern geduldig die Lage und Sari wehrte in der Zeit freundlich aber konsequent jeden Wunsch nach weiteren, als den zugestandenen 2 Karten pro Person ab. Das Ende der Schlange rückte näher, aber auch der letzte Stapel der Karten schrumpfte auf dem Tisch zusammen. Trotzdem blieb die Stimmung äußerst gut und alles lief lobenswert ruhig und sehr diszipliniert ab.

Besorgt blickten Dän und Ferenc vor der Bürotür abwechselnd auf den Kartenstapel und die Leute, die noch anstanden und schüttelten schließlich ernst die Köpfe. Das konnte nicht reichen. Um 11 Uhr 45 war es soweit: Die letzten Karten wurden verkauft und die noch anstehenden Leute guckten schwer  enttäuscht. Sie akzeptierten die Tatsache aber sofort und ohne Protest, da sie sich alle erst nach 10 Uhr angestellt hatten und sowieso nicht sicher waren, ob das reichen würde.

 

Nachdem sich der letzte traurige Rest der Schlange dann schnell aufgelöst hatte, wurde der Tisch weggeräumt, noch die ein oder andere CD verkauft und das Büro dann geschlossen. Bis dahin kam aber immer noch mal jemand vorbei und fragte vorsichtig an, ob es noch Karten für die Totalnacht geben würde. *grins*

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