Der Abend begann eigentlich wie andere Konzertabende. Warten vor der Eingangstüre, dann Einlass ins Foyer und endlich gingen die Saaltüren auf. Ich hatte
die Besucher vor mir grob überschlagen und dachte, dass da ein Platz in Reihe 5 bis 7 für mich drin sein könnte. Super! Reihe 5 habe ich gerne. Alles sehen können, aber selber nicht im Blickfeld sitzen. Als ich in den
Saal kam wunderte ich mich, dass die ersten Reihen ganz ungewöhnlich frei blieben. Seltsam.
Alle schüchtern, oder was? Aber dann sah ich es. Die erste, zweite und sogar dritte Reihe war reserviert. Blöd! Wie kann man denn so viele Plätze für Ehrengäste blockieren? Was is’n das für’n Veranstalter?
Als ich allerdings durch den Mittelgang nach hinten ging, traute ich meinen Augen kaum: Auch Reihe 4 und 5 waren reserviert. Reihe 6, 7, 8 auch. Ehe es jetzt langweilig wird: Bis zur Reihe 15 waren bis
auf sehr wenige, unattraktive, äußere Randplätze alle Plätze blockiert. Übrig blieben die beiden letzten Reihen 16 und 17, dann war Schluß. Für die restlichen Besucher gab
es ganz am Rand des Saales fünf lange, harte Tribünenstufen. Einfach unglaublich! So etwas hatte ich wirklich noch nie erlebt! Der Großteil des Saales mit allen guten
Plätzen reserviert und nur die Randplätze für ‘normale’ Besucher. 
Ziemlich sauer ging ich zu dem Veranstalter, einem Vertreter der Stadt Remagen, Herrn Tillman, wie mir sein Namensschild verriet, und fragte nach. ‘Ja, ob ich denn nicht lesen könnte?’, pflaumte er mich an. ‘Stände doch
alles auf meiner Eintrittskarte. Da müsste ich nur mal genauer draufgucken!!’ -Tatsächlich! Als er es mir zeigte, sah ich es auch! Da stand: “Außer Abonnentenplätze keine Platzreservierung!” Na, dann! War ich also
selber schuld! Hätte ich mir doch eigentlich denken können, dass ich bei diesem Hinweis auf der Karte in der vorletzten Reihe sitze! Oder? Wahrscheinlich bin ich nur zu blond für sowas. Für mich und andere Blöde hätte
da stehen müssen: “Außer für Abonnenten keine guten Plätze!”, dann hätten wir das kapiert.
‘Außerdem wäre ich die Einzige, die sich so massiv beschwert hätte. Das liefe schon
seit Jahren so und es wären immer alle zufrieden und nur ich würde mich deswegen aufführen!’ Ohje, da hatte ich es! Mit mir war etwas nicht in Ordung - ich meckerte
schon grundlos herum. Allerdings sahen die Leute, die vom Anblick der vielen, gelben Reserviert-Schilder geblendet wurden, auch nicht glücklich aus, und ihre Bemerkungen
waren keineswegs netter als meine. Die gingen nur nicht alle zu Herrn Tillman. Hätten sie mal lieber machen sollen! Immerhin konnte ich ihn beruhigen, dass ich in Zukunft
nicht mehr meckern würde, denn zu einer Veranstaltung in der Remagener Rheinhalle würde ich nicht nochmal gehen! Also: Warnung an alle Konzert-Besucher, die für ihr
Geld einen netten Platz haben möchten: In Remagen geht das nur als Abonnent! Ich kann von einem Besuch in der Rheinhalle nur abraten! Für das Geld bekommt man woanders bessere Plätze!!
Bis 10 Minuten vor Konzertbeginn blieben fast alle guten Sitzplätze leer, doch dann setzte plötzlich der Abonnentenstrom ein. Als würden sie mit Bussen angekarrt, quollen
sie in den Saal. Auf die sehr wenigen freigebliebenen Plätze durften sich dann ‘Normalzahler’ setzen. Sogar auf die beiden vordersten, die eigentlich für den
Bürgermeister reserviert waren. Aber irgendwie war der wohl verhindert.... Einige Wise Guys Fans hatten lange Anreisen auf sich genommen, zum Teil seit 18 Uhr vor der
Türe gestanden und konnten jetzt aus den letzten Reihen zusehen, wie die vorderen Plätze ganz gemütlich belegt wurden. Wirklich klasse!
Na, ich holte tief Luft und beschloss, mein EINZIGES Konzert in der Remagener
Stadthalle zu genießen.
Um mich an diesem Abend weiter zu verwirren, begannen die WISE GUYS ihr Programm ganz ungewöhnlich mit der “Wahren Liebe”. Bei den Hitchcock-Geigen nach
der Textstelle: ‘...hol’ mir mal ein Bier!’ gab es leises Gelächter im Publikum und der Einstieg in den Abend lief gut an. Danach das “Frühlingslied”, sonst das erste Lied,
aber an diesem Abend lief ja manches anders... War auch sehr schön und das Publikum wirkte aufgeschlossen und gut gelaunt. Bei der Begrüßung unterteilte Dän die
Zuschauer in ‘Abonnenten’ und ‘Freiwillige’ (Danke, Dän, das tat mir gut!) und liess sie zum Vergleich getrennt applaudieren. Fiel bei beiden Gruppen gut aus, weil die
Abonnenten wirklich nette Leute waren. Sie konnten ja auch nichts für den Platzverteilungsplan der Stadt Remagen. (“Schon OKE, ich sag nix mehr..”)
Beim “RTL-Lied” wurde gleich beim Refrain mitgeklatscht (1+3, wie sonst?), und obwohl die WISE GUYS am Schluß vormachten, wie es geht (nämlich auf 2+4), schwenkte nur
ein Teil des Publikums um. Dän’s Bemerkung dazu war klasse: “Ein Teil musikalisch, ein Teil konsequent!”
“Genurjanie Indiebarda” war wieder mal sehr schön und hatte dazu drei auffallende Punkte:
1. Wurde beim Nennen des Titels so gut wie gar nicht gelacht
2. War Saris Trompete wieder außergewöhnlich gut *schmelzdahin*, und
3. gab es Meeresrauschen! Gegen Ende des Liedes begann im Saal ein lautes Rauschen, dass sofort an Meereswogen erinnerte. Eigentlich sogar eher an kräftigen
Monsunregen. Ich dachte zuerst an eine starke Lüftung. Wie sich nachher herausstellte, war es jedoch ganz echter Regen, der auf die Oberlichter des Saales
geprasselt war. Also doch Monsun! In Remagen. Das paßte alles zusammen.
Sehr gut kam auch “Zur Lage der Nation” an. Meine Lieblingsstelle von Dän, bei der er
so schön gemein singt: “..wir sind endlich unter uns!”, hat sich inzwischen um die danach folgenden Wörter verlängert. Die röhrt er so klasse heraus! Klein, aber ganz
wunderbar am Schluß: Eddi, der seinen linken Arm gerade noch stoppen kann. Unbedingt mal drauf achten!
“Das Parfum” sehr schön, auch wenn ich in Clemens’ Ansage nicht verstand, wie man ein
Parfum auf dem Grund seiner Seele finden kann. Bei mir liegt das unter’m Bett oder hinter’m Schrank, aber ich bin da wohl eher unromantisch. Vielleicht haben aber auch
die guten Wünsche auf der Milchschnitte in Klettenberg (28.1.) Wirkung gezeigt?
Bis zur Pause ging es schön weiter, und das Publikum war sehr zufrieden und weiterhin
neugierig aufgeschlossen. Es tobte nicht gerade, aber die Stimmung war insgesamt sehr nett. Als das Licht anging, gab es die nächste Überraschung für mich: Die zierliche,
gelockte Dame vor mir, die immer so ungewöhnlich tief lachte, war beim Umdrehen ein Mann.
Nach der Pause ein sehr schönes “Bleib, wie du bist”, und später ein “When I’m 64”,
bei dem Dän spontanen Szenenapplaus nach seiner kölschen Strophe bekam. Der arme Clemens sang seine erste Zeile leider unhörbar in das Geklatsche hinein, aber er
konnte nicht mehr stoppen. Auch Sari erntete begeisterten Extra-Applaus und danach gab es endlich mal Riesenapplaus und sogar Getrampel.
Auch “Sexbomb” ein schöner Erfolg (besonders die Randplätze johlten begeistert mit), und “Nein, nein, nein” brach dann den ersten Applausrekord des Abends. Die Situation
‘Köln gegen Düsseldorf’ war auch in Remagen ein Begriff und es wurde viel gelacht. “Schlag mich” kam bei den Zuschauern ebenfalls gut an, was aber irgendwie auf der
Bühne nicht richtig erfasst wurde. Dän redete danach höchst ironisch von ‘Ostwestfalen’, was aber gar nicht stimmte. Es flippte zwar keiner aus, aber es wurde
wirklich gut gelacht und die Stimmung war in Ordnung. Irgendwie ging das in den Tiefen und Weiten der Halle verloren und kam nicht richtig zu den Akteuren zurück.
Es ging aber nachweislich keiner der Zuschauer zum Lachen in den Keller, sondern alle blieben in der Turnhalle. Das war die Remagener Rheinhalle nämlich in Wahrheit.
(Darum auch die seitlichen Tribünen. Da kriegt man sonst als Zuschauer den Handball auf die Nase geknallt! Außer als Abonnent. Da darf man auf dem Spielfeld sitzen.)
Als erste Zugabe gab es den “Herrjott”, bei dem Eddis ‘Mundharmonika’ hallig und gewaltig loslegte und klasse rüberkam. Das gab eine Zwangspause für die WISE
GUYS, denn der spontan einsetzende Applaus mußte abgewartet werden. Seine Solostelle brachte Eddi sehr theatralisch verzweifelt und ich war begeistert! Paßte
sehr gut! Bei der Ansage zu“a-cappella” bewies ein Zuschauer hinter mir, wie gut er aufgepasst hatte, denn er sagte laut und sicher: “Da fehlt doch einer!” Na, klar. Als
einer/Sari dann kam, war sein T-Shirt-loser Bauch noch weißer als weiß und jede Rippe warf einen Schlagschatten. Also bitte: Hier etwas weicheres Licht mit höherem
Gelb- oder Rot-Anteil! Das sieht ja sonst aus, als hätte man ihn vakuummäßig ausgesaugt! Völlig abgemagert und blutleer! Singen konnte er allerdings noch gut.
Als letzte Zugabe gab es “GoldenEye”, und wieder erwies sich der Zuschauer hinter mir als blitzgescheit. “Die singen ja das halbe Programm als Zugabe. Das haben die
vorher alles geplant!” Männer können wirklich schlau sein! “GoldenEye” war wieder mal hervorragend. Es gab zwar sehr viel Hall, wirkte aber gerade dadurch spitzenmäßig.
Von hinten (schrieb ich schon, dass ich in der vorletzten Reihe saß?) sah es aus wie im Kino und hörte sich auch so an. Ganz toll und sehr beeindruckend! Die Zuschauer
waren ruhig und schön aufmerksam. Dabei fällt das Stück vom Stil her genauso aus dem üblichen Programm raus wie das “Parfum”, aber das macht vielleicht den Reiz aus. Supertoll!
Zusammenfassend: Ein gutes Konzert, ein nettes Publikum, etwas leise Reaktionen, aber ein sehr schöner Abend. Trotzdem werde ich nicht nochmal in die Remagener
Rheinhalle gehen. Das ist mir einfach zu blöd mit den vielen bevorzugten Abonnentenplätzen! Herr Tillman wird sich freuen. Und ich mich auch.
Übrigens, Herr Tillman, die korrekte Bezeichnung heißt: “Abonnementsveranstaltung. Restkarten im Verkauf!”