WISE GUYS TOTALNACHT 2002
BLOCK 3

Wie erwartet begann der dritte Block mit dem magischen Ritual in der Mitte der Bühne. Was das sollte kapierte ich zwar nicht, aber es war so schön schräg, dass ich mich immer wieder freute, die motivierenden Brüller zu hören. Tschakka! Das Outfit des dritten Blockes waren die dunklen Anzüge mit den roten T-Shirts, und der musikalische Schwerpunkt war die Zeit der ‘Skandal’-CD.

Es ging los mit den ‘Gedanken zu Konzertbeginn’, unmittelbar gefolgt von ‘Skandal’. Warum sind das offiziell eigentlich zwei getrennte Lieder? Das ist doch irgendwie EIN Lied mit längerer Einleitung und Hauptteil. Wollten die Wise Guys etwa die Statistik schönen? Einfach jede Strophe anders benennen und so im Handumdrehen 70 Titel haben?? Das war ja nun wirklich ein Skandal!! Egal welche hinterlistigen Absichten dahinterstanden, das Lied war ein toller Anfang und auch optisch absolut unterhaltsam. Danach die ‘Liebe im Internet’, ebenfalls mit witziger, guter Choreographie, sehr mitreißend und richtig gut.

‘Grumpig’ füllte den Euro-Topf der Wise Guys jedoch gewaltig. Besonders am Anfang konnte ich die 5-Euro-Stücke fast klimpern hören. Aber es war fetzig, lustig, temperamentvoll, nur im Background teilweise sehr ungewöhnlich. *grins*

Clemens trat danach einen Schritt nach vorne um die nächste Ansage zu machen. “Im Grunde genommen haben vier von uns guten Grund grumpig zu sein, denn jetzt ist es mal wieder soweit.” Weiter kam er nicht, denn Pfiffe und laute Jubelschreie brachen los, weil ein Stuhl auf die Bühne getragen wurde. Mitten in diesem langen Getobe starrte Clemens stumm und ernst ins Publikum, ging schließlich einen Schritt zurück und wartete ab, wie Ferenc seinen Vorapplaus entgegennahm. Als es etwas leiser wurde, ging er wieder einen Schritt vor und sagte verständnislos: “Das muß doch irgendwie mit Mitleid zu tun haben.” Großes Gelächter, mehr mußte nicht gesagt werden und ‘Probier’s mal mit ‘nem Bass” ging los. Selbstverständlich wurde laut mitgesungen und an den passenden Stellen gejohlt, aber es war ja auch DAS Lied für Ferenc. Perfekt auf ihn zugeschnitten, witzig und einfach sehr gut.

Gibt es noch eine Steigerung zu Riesenjubel? Ja. Am Ende des Liedes tobte und donnerte es durch den Saal, und während Ferenc sehr zufrieden den Applaus entgegennahm, guckten die vier anderen gewohnt säuerlich. Aber dann die Überraschung: Der Applaus war lang und sehr laut, aber auf einmal brach er ziemlich schnell ab und es war ruhig. Nicht nur Ferenc guckte völlig verblüfft. Hey! Warum so plötzlich? Jetzt konnte der Bass ja gar nicht mit einer einzigen Handbewegung abwinken!

Clemens sagte das nächste Lied an, erwähnte die Comedian Harmonists und das Publikum klatschte sofort los. Er ging zwei Schritt nach hinten, stellte sich mit suchendem Blick in die Mitte der Wise Guys Reihe und wurde von Eddi sofort an den rechten Rand geschickt. Schnell wechselte er den Platz, aber so ganz richtig kam ihm das wohl nicht vor, wie man an seinem nachdenklichen Blick erkennen konnte. Auch Ferenc guckte sehr fragend auf Eddi. Sari gab mit der Stimmpfeife immer unverdrossen den Ton an, und im letzten Moment rückte Clemens ganz schnell noch einen Platz nach links auf. Es gab fröhliches Gelächter von den amüsierten Zuschauern und das Lied konnte endlich losgehen und war auch lohnend schön. Gut, dass Clemens seinen Platz gefunden hatte!

‘Ein Herz und eine Seele’ war romantisch schön, auch wenn ich es schon sauberer gehört hatte. War aber an diesem Abend überhaupt nicht schlimm, denn die Stimmung im Publikum war so supergut, dass Fehler liebevoll akzeptiert wurden und die meisten Besucher einfach nur glücklich waren, dabeizusein.

Die ‘heiße Liebe’ sollte eigentlich ohne Ansage losgehen, aber da die Instrumente hinter der Bühne geblieben waren, versuchte Clemens zuerst ganz spontan etwas zu sagen, mußte dann allerdings selber los, um sie zu holen. “Was man nicht selber macht!” stöhnte er laut, als er mit den Sachen zurückkam. Er verteilte die Percussion-Instrumente aber nicht, sondern blieb einfach vorne auf der Bühne stehen. Dän, Sari und Eddi kamen direkt und holten sich ihre Sachen ab; zurück blieb das Rassel-Ei von Ferenc. Anstatt es ihm zu geben, blieb Clemens einfach mit dem Ei in der Hand stehen und guckte ernst ins Publikum. Hinter ihm suchte Ferenc sein Instrument, Sari ging ab, um hinter der Bühne danach zu gucken und das Publikum lachte los. Auch Ferenc ging schließlich ab und das Gelächter wurde noch größer, als er zurückkam, Clemens energisch auf die Schulter klopfte und fordernd die Hand ausstreckte. Mit einem lautem Rasseln fiel das Ei in die geöffnete Hand, und Clemens grinste hocherfreut und hatte seinen Spaß. Das Lied begann, war klasse wie immer, und es wurde von Anfang an mitgeklatscht und im Refrain laut mitgesungen.
An einer Stelle trat Dän vor, um laut sein “Uhuuu” als Zwischenruf zu singen. Normalerweise guckte ihn Ferenc daraufhin vorwurfsvoll an, doch diesmal grinste der fröhlich und wies mit den Armen noch extra auf Dän hin. Der guckte zuerst verwundert, äffte kurz danach aber die Rasselbewegung von Ferenc programmgemäß nach. Jetzt war Sari dran, der Dän zurechtweisen mußte. Er blickte zu Dän, dann zu Ferenc, zeigte dann aber ebenfalls lachend auf das Ei und war eindeutig auf der Seite von Dän. Ferenc guckte verblüfft, drehte sich um und verließ rasselnd die Bühne. Dän und Sari guckten erstaunt grinsend hinter ihm her, aber da das Ei auch hinter dem Vorhang im Rhythmus rasselte, sangen sie einfach weiter. Es war sehr witzig und gab großes Gelächter im Saal. Gegen Schluß tauchte Ferenc wieder auf, und am Ende des Liedes gab es Geschrei und Getrampel vom ausflippenden Publikum.

Lange nicht mehr gehört und eines meiner Lieblingslieder: ‘Der letzte Martini’. Guter Text, tolle Musik und klasse Show von Eddi. Ich freute mich sehr, es mal wieder zu hören.

Ganz ernsthaft ging es danach mit ‘More than words’ weiter. Ein wunderschönes Lied mit hohem Schmelzfaktor, besonders an den Stellen, an denen Dän und Eddi gemeinsam singen. Leider erforderte der Text höchste Konzentration und hatte seine Fallen. Während Dän von “my love” sang, hatte Eddi eher an “your love” gedacht und bei der nächsten Zeile tauschten sie genau gegengleich. Damit war natürlich die Ernsthaftigkeit etwas raus. Das Publikum lachte fröhlich, kommentierte jeden weiteren Blick von Dän zu Eddi mit Lachern und das Lied ging schön gesungen weiter, hatte aber irgendwie doch eine andere Atmosphäre als sonst. Nach so einem Gelächter zwischendrin aber kein Wunder. Passend dazu ging beim langen Ton kurz vor Schluß das Bühnenlicht aus und die ersten Zuschauer klatschten los. Eddi setzte im Dunkeln den Ton nochmal an, der Schlußsatz kam, und es war alles anders und nicht so tiefberührend wie gedacht.

In sehr langsamem Tempo wurde danach das ‘Parfüm’ gesungen, wurde laut beklatscht und es ging weiter mit ‘Let’s twist again’. Sehr gut, als Eddi ‘hängenblieb’ wie eine Schallplatte mit Kratzer und erst nach einem Rempler von Ferenc weitersang. Etwas später zogen alle den Ton nach unten, hörten auf und erst als Eddi wieder ‘aufgezogen’ war, zogen sie die Töne synchron hoch und sangen zu Ende. Ein witziges Lied. Kurz, aber klasse!

Ohne Ansage stellten sich Eddi und Sari unmittelbar danach in Trommelposition, legten sofort mit ‘Mädchen lach doch mal’ los, und die Zuschauer klatschen und sangen laut mit und erhoben sich begeistert von den Plätzen. Es war eine Riesenlautstärke im Saal und die Stimmung mal wieder kurz vor dem Kochen. Wahnsinn! Im langen Applaus verließen vier Wise Guys die Bühne und ließen Dän alleine zurück. Er setzte sich mit Gitarre auf einen Stuhl, das Licht wurde dunkler, und zu sanften Gitarrenklängen sagte er: “Man muß der Wahrheit ins Gesicht schauen, auch wenn’s einem nicht so gut geht. Wenn man auch traurig ist. Es ist wie es ist.” Pause, Gitarrenklänge und dann ein resigniertes: “Und es wird wieder so kommen.” Trotz dieser eigentlich traurigen Aussage wurde im Saal gejubelt, denn die Fans wußten, welches Lied gemeint war: ‘Es tut so weh’. Dän sang leise und ruhig und wurde dabei von einem sanften Mitsingchor unterstützt. Fast alle Anwesenden wußten, dass er FC-Fan war und ihm die letzten Vorkommnisse sicher nicht egal waren.

Aktuelle Textänderungen “Erst jagen sie den Ewald fort, dann Vier zu Null in Gladbach” wechselten mit Textsuchpausen und ich war immer richtig froh, wenn der sichere Refrain erreicht war und der Zuschauerchor einsetzte. Als die ‘Engel’ auf einer Leiter hinter dem Vorhang auftauchten, gab es großen Jubel und am Ende ein lautstarkes Finale mit geschwungenen FC-Schals und zwei Luftballons. Schön und trotzdem irgendwie traurig.

Dritte Pause. 

Lieder in Block 3:

Gedanken vor Konzertbeginn
Skandal
Liebe im Internet
Grumpig
Probier’s mal mit nem Bass
Die Comedian Harmonists
Ein Herz und eine Seele
Heiße Liebe
Der letzte Martini
More than words
Parfüm
Let’s twist again
Mädchen lach doch mal
Es tut so weh

weiter zu Block 4

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