WISE GUYS TOTALNACHT 2002
BLOCK 5

Die Bühne war dunkel, das Saallicht ging aus und es herrschte höchste Spannung. In welchem Outfit würden die Wise Guys für den letzten Block auf die Bühne kommen? Und dann wurde es bunt, sehr bunt sogar, und die Zuschauer jubelten und pfiffen begeistert über die sehr verschiedenen Kostümierungen. Superklasse. Dän als lässiger, langhaariger Hippie, Ferenc als cooler Pirat, Sari in improvisierter, sehr witziger Unterwasser-Müllmannkleidung, Clemens als phantasievoller, grüner Wassermann und Eddi total sexy als Tina. Wow! Um weitere, langwierige Erklärungen zu sparen, hier schonmal ein Bild:

Im Gejohle verpasste Dän fast den Anfang im Motivationskreis und lief im letzten Moment hin. Alle legten ihre rechte Hand im Mittelpunkt zusammen, riefen laut: “Niemals... “ und lachten prustend los. Da war nichts mehr zu retten. Eddi brach fast zusammen und war beim Umdrehen vor Lachen den Tränen nah. Sie starteten mit ‘Do you believe’, das als Karnevalskracher sofort einschlug und der beste Einstieg in den letzten Block war.

Alle sahen sehr klasse aus, aber bei Tina blieb einigen Fans die Luft weg, egal ob männlich oder weiblich. Eddi ging total in seiner Rolle auf und war erschreckend gut. Mit sehr weiblichen Bewegungen, langsamem Augenaufschlag, rotem Schmollmund und langsamen Handbewegungen durch seine offenen Haare strahlte er eine große Portion Sexappeal aus.

Das war nicht ein ordinär verkleideter Mann, sondern ein sehr erotisches Wesen, das irgendwie eine Mischung zwischen Mann und Frau zu sein schien und eigentlich zum ‘Kinder-die-Augen-zuhalten’ war. Ich war sehr verblüfft und überrascht, fand ihn in dieser Rolle aber total klasse. 

Clemens hatte eine Wassermannkrone auf dem Kopf und damit keinen Platz für die Perücke, die er beim nächsten Lied benötigte. Dän kündigte es als “eines der schönsten Lieder deutscher Rockmusik” an und der Titel ging nach dem Ausruf “Wolfgang Petry!” in lautem Jubel unter. Es ging los, Clemens kam auf die Bühne und löste lautes, hemmungsloses Gelächter aus, denn er hatte die Perücke einfach in den Bund seiner engen Gymnastikhose gesteckt und hatte nun lange, braune Haare zwischen seinen Beinen baumeln. Der fünfte Block war eindeutig nicht für Kinder geeignet! *grins*

Große Freude über das Lied, das laut mitgesungen wurde und auch die folgende ‘Flunder’ wurde begeistert aufgenommen. Die anderen Wise Guys guckten dabei immer wieder fasziniert zu Eddi, der sich völlig anders als üblich bewegte und Clemens zeigte ihm anerkennend ein OK-Zeichen.

Bei ‘Nein, nein, nein’ waren die Zuschauer nicht mehr zu halten, sprangen von den Sitzen und klatschten und sangen mit. Die Wise Guys versuchten auch gar nicht ernsthaft sie irgendwie auszubremsen, sondern feierten die Party einfach mit. Gegen Ende des Liedes sang Dän den Refrain nur noch an und er lief ganz von alleine weiter. Superklasse und von der Stimmung nicht mehr zu steigern. Rhythmisches Klatschen zeigte danach die Begeisterung und die Wise Guys machten weiter mit ‘Tut mir leid’. Die Einleitung war im Stil eines Madrigals und manche Besucher lachten amüsiert, dabei war es gar nicht so lustig, sondern sehr schön. Als es dann fetzig in das eigentliche Lied überging, übernahm der Saal sofort wieder den Chorpart. Das Lied ist ja eigentlich supergut, hat eine klasse Melodie und läßt sich mit viel Spaß mitsingen, weil es so schön locker und lässig leicht ist.

Gleich nach dem Applaus ging es mit ‘Julia’ weiter, das sehr lautstark mitgesungen und von meckernden “Mäh’s” unterstützt wurde. Sari bewegte sich total locker und es war richtig schön ihm zuzusehen.

Dän kündigte danach an, dass die Totalnacht teilweise vom Dom-Radio gesendet würde. Mit fragendem Blick guckte er seine Kollegen an “Wann?” und sagte nach erhaltener Antwort grinsend: “In der Nacht zu Samstag, wenn alle Kölner am Radio sitzen!” Die weiteren Vorbereitungen zum nächsten Lied zeigten dann deutlich, warum die Wise Guys lieber a-cappella sangen. Zwei Gitarren wurden geholt und angeschlossen. Probeweise spielten Dän und Eddi ein paar Akkorde *schramm, schramm* und Dän sagte (und die nächsten Sätze sind alle von Dän): “Ist ein bißchen laut.”  * schramm *  “Ist immer noch sehr, sehr laut”  *schramm*  “Vielleicht mach ich mal den Regler einfach leiser.”  *schramm * “Jetzt ist zu leise.” *schramm*  (Blick zu Eddi, der auf der anderen Gitarre klimpert)  “G, oder?” *schramm*  (Eddi guckt auf die Gitarre und lacht los) “Falsche Gitarre??”  *schrimm*  “In G spielen?”  *schrömm*  “Nee. In Fis?” *schrämm*

Das Publikum lachte vergnügt und fühlte sich sehr gut unterhalten, aber Ferenc ging trotzdem los, um die richtige Gitarre zu holen. Dän erzählte inzwischen ein bißchen über die früheren Auftritte in der Fußgängerzone, Eddi klimperte auf seiner Gitarre, und Sari nahm seinen Besen vom Boden und tat so, als würde er darauf Gitarre spielen. Es dauerte recht lange bis Ferenc zurückkam, aber dann konnte es mit ‘Rollbrett’ losgehen. Erstaunlich viele Leute konnten auf Kölsch mitsingen und es ging gleich wieder ab.

Weil die Zeit jetzt doch etwas überschritten war, schlug Dän vor, das nächste Lied zu überspringen, wurde aber von einem vielfachen “Nein!!”-Aufschrei davon abgehalten. Auch seine Erklärung, dass es doch im normalen Programm enthalten wäre, konnte nicht überzeugen und er gab seufzend auf. “Na gut, OK, wir haben Zeit bis halb drei und wollten noch einen kleinen Afterglow machen.” Ohne Übung ging es zum ‘Kaiser Franz’ und den Waldgeräuschen. Es gab viel leuchtendbunten Nebel, einen Clemens, der sich die Sicht freiwedelte, eine erstaunliche Textsicherheit des Publikums und eine unglaubliche Artenvielfalt im nächtlichen Wald. Superklasse!

Noch im anschließenden Applaus sah man, wie Dän sich angeregt mit Ferenc unterhielt und er erzählte es auch gleich weiter. “Ich habe Ferenc gefragt, warum er naß ist im Gesicht.” Er drehte sich grinsend zu Ferenc um und sagte: “Du schwitzt nicht und bist trotzdem naß im Gesicht. Deine Sorgen möchte ich haben!” Großes Gelächter und es ging weiter mit dem ‘Waschsalon’. Die Einleitung war ein kurzes, historisches Wäscherinnenlied, schön gesungen und Sari stellte sehr niedlich die Wäscherin dar. Dann änderte sich der Stil des Liedes plötzlich und es fetzte wahnsinnig los. Also, mir war ja vorher klar, dass Dän rockig singen konnte, aber es war so kraftvoll, lässig und aus dem Bauch heraus, dass ich trotzdem völlig baff war. Superklasse!

Wer ihn nur so hören würde, könnte nicht glauben, dass er auch a-cappella-Sänger ist. Wow! Es haute mich fast um und ich war sehr begeistert. Beim letzten Satz warf er allerdings einen Blick auf Eddi, brach in Lachen aus und konnte nicht mehr singen.

Für das nächste Lied ‘Besserwisser’ suchte Dän einen Freiwilligen aus dem Publikum und Julia kam auf die Bühne. Dän erklärte ihr, wie sie durch Hin- und Herlaufen in einem bestimmten Bereich das Tempo des Liedes beeinflußen konnte. Hörte sich erst kompliziert an, war aber sehr einfach. Stand der Dirigent in der Mitte, galt normales Tempo, rechts war es ganz langsam und links sehr schnell. “Also mach wie du willst!” überließ Dän ihr die Entscheidung und Julia nutzte ihre Chance. Sie schlenderte herum, blieb mal stehen, rannte quer über das Feld und brachte die Wise Guys wirklich in Streß. Das Publikum johlte schon zwischendrin los und gab am Ende einen dicken Applaus. Supergut und eine tolle Idee, die auch mal bei normalen Konzerten umgesetzt werden könnte.

‘Jetzt ist Sommer’ heizte wieder richtig ein und es wurde wie ein Fetenhit mitgesungen. Große Begeisterung dann auch bei ‘Wenn der Herrjott ruft’ und Eddi bekam einige Pfiffe für seine sexy weiblichen Bewegungen. Auch das anschließende ‘Kölsche Jung in New York’, der erste Hit der Wise Guys, wurde bejubelt und die Stimmung im Saal war so aufgedreht, dass man nicht erkennen konnte, dass die Zuschauer schon seit fast 6 Stunden dort saßen.

Zu ‘GoldenEye’ paßte Eddis Outfit perfekt und es war ein Erlebnis ihm zuzusehen. Ich war völlig fasziniert, denn er war noch mehr Tina als sonst.

Schade, dass dieses Outfit für ihn auf Karneval beschränkt bleibt, aber in anderen Jahreszeiten könnte er doch recht schräg damit angeguckt werden. *grins* Während des Liedes zog Ferenc nicht seine fiktive Pistole, sondern seinen wackeligen Piraten-Gummisäbel und piekte ihn Dän in den Bauch. Der guckte zuerst gespielt erschrocken an sich herunter, zuckte dann aber die Schultern um anzudeuten, dass er nichts spürte. Natürlich am Schluß wieder viel jubelnder Beifall und das Ende des Konzertes stand bevor.

Dän grinste zufrieden: “Lange habe ich mich nicht mehr so gefreut über diesen Satz: Wir kommen jetzt zum letzten Lied des heutigen Abends.” Er betonte, dass es wirklich das allerletzte Lied wäre und es keine Zugabe geben würde, und sie starteten mit “Wonderful world”. Eine gute Wahl fand ich, denn das Lied war sehr schön, romantisch und hatte eine äußerst beruhigende Wirkung. Im Mittelteil umarmten sich Sari und Clemens innig, aber Ferenc guckte zweifelnd zu Eddi und wich einem angedeuteten Kuss schnell und entschieden aus. Den Schluß des Liedes sang Dän nicht mehr sanft, sondern froh, erleichtert und sehr gut gelaunt. Hey, es war geschafft!!

Im lauten Toben des Publikums zog er sich die Hippie-Perücke vom Kopf, alle fünf verbeugten sich gemeinsam und das Ende der Totalnacht war gekommen.

Es gab noch einen kleinen, leicht müden Afterglow, Besucher und Akteure waren geschafft und ein unvergeßliches Konzert sehr gut über die Bühne gebracht. Erstaunlicherweise war den Stimmen bis zum Schluß die Anstrengung nicht anzuhören, die Wise Guys wirkten fit, und ich war überrascht wie konzentriert das Programm bis zum letzten Lied bewältigt wurde. Ganz große Klasse! Nicht zufällig meine Lieblingsgruppe. *grins*

Lieder in Block 5:

Do you believe in Kölle Alaaf
Verlieben, verloren
Flunder
Nein, nein, nein
Tut mir leid
Julia
Rollbrett
Kaiser Franz
Wäscherin/Waschsalon
Besserwisser
Jetzt ist Sommer
Wenn der Herrjott ruft
Kölsche Jung in New York
Golden’Eye
Wonderful world

Das war’s!

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