Samstag,25.Mai + Sonntag,26.Mai 2002 Die WISE GUYS im Tanzbrunnen, Köln
STIMMUNGSBERICHT Samstag, 25.5. Es kann keiner behaupten, sie hätten es sich leichtgemacht. Am Tanzbrunnen-Wochenende der Wise Guys gab es an vielen Stellen in Köln Feste und
Parties, die völlig kostenlos kölsche Stimmungsmusik boten, familienfreundliche Attraktionen zeigten und sogar Stars wie die ‘Höhner’, ‘Brings’ und ‘LSE’ engagiert hatten. Auch in der berühmten TV-‘Lindenstraße’
wurde gefeiert und die Schauspieler gaben fleißig Autogramme. Zudem wurde im Wetterbericht seit Tagen Regen angekündigt, der immer wahrscheinlicher wurde, je länger er ausblieb. Prima Voraussetzungen, um Besucher in ein
kostenpflichtiges Open-Air-Konzert zu locken. Als wäre das nicht genug, prasselten am Samstagmorgen auf dem Weg zum Tanzbrunnen dicke Regentropfen auf das Autodach und der Scheibenwischer quietschte auf Stufe 2 hin
und her. Ich saß gutgelaunt im Auto, wischte mir während des Fahrens Gucklöcher in die beschlagenen Scheiben und wußte, dass das Konzert sonnig werden würde. Keine Ahnung woher, ich WUSSTE es einfach. Ehrlich gesagt
galt das aber nur für den Samstag. Beim Sonntag war ich mir nicht mehr so sicher, sah zwar Sonne, aber auch einige Regentropfen vor meinem geistigen Zukunftsauge und merkte, dass es mit meiner Karriere “Anette sagt
perfekt das Wetter voraus” noch nicht so überzeugend lief. Egal, zumindestens für den Samstag war ich mir sicher und grinste alle dunklen Wolken lässig an. Davon genervt verzogen sie sich langsam. (Ein Trick, der auch
bei meinem Mann funktioniert!) Das Konzert sollte um 18 Uhr beginnen und zweieinhalb Stunden vorher war der Einlaß. Die im letzten Jahr übermotivierte Security, die selbst den Inhalt von Babyflaschen ausgeschüttet
hatte, hielt sich in diesem Jahr absolut zurück, guckte in keinen Rucksack und war sehr freundlich. Das Eintreffen der ersten Fans vor der Bühne nach dem offiziellen Öffnen der Türen war eindrucksvoll. Ich hielt mich
gerade im Bühnenbereich auf, als ich einen langgezogenen Ton hörte, der konstant lauter wurde und dabei auf mich zukam. Ich blickte auf und sah plötzlich in langer Schlange die ersten bunten Gestalten um die Ecke und im
Wettlauf auf das Absperrgitter zurasen kommen. Sie schrieen wie eine Schulklasse, umklammerten Taschen und Jacken, legten einen letzten verzweifelten Sprint hin und wer das Gitter erreichte, klammerte sich erleichert
fest und hatte gewonnen. Zumindestens einen der heißbegehrten Plätze in der ersten Reihe. Nach wenigen Minuten waren die ersten Reihen sauber und fast lückenlos aufgefüllt und die Zeit des Wartens begann. Muß ich
eigentlich erwähnen, dass das Wetter inzwischen sehr sonnig und warm war? Ich persönlich hatte ja nie daran gezweifelt und der Blick auf den ständig voller werdenden Tanzbrunnenbereich mit spielenden Kindern und
lächelnden Besuchern wurde immer schöner. Bei Konzertbeginn gab es strahlende Sonne und die Wise Guys kamen mit ‘Jetzt ist
Sommer’ hinter dem Vorhang hervor. Das Publikum reagierte mit lautem, begeisterten Mitklatschen, die ersten Stofftiere wurden mit Schwung auf die Bühne geworfen und die
gute Laune und Begeisterung war richtig zu spüren. Superklasse! Die Bühnenkleidung für den ersten Teil war neu, sah der früheren aber noch ziemlich ähnlich. (Auffällig waren
die Kritzeleien auf dem hellen Hemd von Ferenc, die ich zunächst für einen modischen Einfall hielt. Bei näherem Hinsehen entpuppten sie sich aber als Textanfänge, die ihm über
altersentsprechende Schwierigkeiten während der Show hinweghelfen können. Eine prima Idee, auch wenn es nicht so einfach sein wird, die Notizen auf dem Rückenteil zu lesen.
Na, ich lache jetzt, aber wenn ich mal in sein Alter komme, brauche ich das vielleicht auch.)In der Ansage zum ‘Frühlingslied’ schrieen mehrere Mädchen “Clemens, wir wollen ein Kind
von dir!!!” und Dän vermutete zur Freude seiner Kollegen grinsend, dass es “die beiden Damen vom letztenmal” sein könnten. Die Atmosphäre war supergut, während der Lieder
wurde oft laut mitgesungen und es war deutlich zu merken, dass viele ‘harte’ Fans im Publikum standen, die richtig Stimmung machten. Trotzdem gab es auch viele Ersthörer,
was Dän bei der Zuschauerbefragung ein erstauntes: “Nein?! Nein?! Ist das wirklich wahr??” ausrufen ließ. Insgesamt ein mitreißendes Konzert voll guter Laune, für Ersthörer
und Mehrfachtäter gleichermaßen eindrucksvoll. Außerdem mit toller Natur-Lightshow. Auf der Bühne schwebten die lockigweißen Samen der hohen Pappeln durch das Sonnenlicht,
die Wise Guys zogen eine sehr gute Show ab, (atmeten hin und wieder einen der schwebenden Flusen ein), die Fans jubelten, hielten Schilder hoch, im hinteren Teil des
Tanzbrunnengeländes liefen Kinder herum, saßen Erwachsene mit Kölsch am Bierwagen und schlenderten Pärchen langsam über die Wege. Die Sonne knallte auf die Haut, es war alles locker, entspannt und schön - Sommer.
Die neuen Lieder kamen sehr gut an. Eine ruhige, klare, wehmütig lächelnde Leadstimme
von Clemens bei ‘Das wär’s gewesen’, ein sanfter, romantischer Background dazu, sentimental-traurig und einfach wunderschön. Sahnestück. Das neue Singlestück ‘Kinder’
brachte Lachstürme und war textlich und auch optisch sehr witzig. ‘Was für eine Nacht’ knallte sofort los, hatte eine supercoole Choreographie und war sehr mitreißend. Total
klasse. Auch von der Aussage her ein von mir geliebtes Lied, dem ich noch eine Karriere über die linke Überholspur zutrauen würde. ‘Sing mal wieder’ sehr groovig und von Eddi mit superguten Jazzsoli ausgestattet.
Allerdings fand ich, dass die Leadstimme nur in Verbindung mit dem Background wirkte und keine einfach eingängige Melodie hatte. Die würde sich von mir alleine gesungen
ziemlich erbärmlich anhören, aber das kann natürlich auch an mir liegen. Trotzdem ein fetziges Lied, das seine jazzige Stimmung sogar noch mehr betonen könnte und schon sehr
gut groovte. Dann ‘Chocolate Chip Cookies’. Diese Frechheit ein Backrezept zu singen und das dann auch noch so unverschämt gut zu machen! Ich fand schon die Idee superklasse
und das Ergebnis überzeugte völlig. Wechselnde Leadstimme, lässige Erklärungen und coole Bemerkungen brachten das Publikum zu Sonderapplaus. Das muß man sich erstmal
erlauben können. Wie weit ist es jetzt noch bis zu einem umjubelten Lied mit Tabellenständen der Bundesliga? Beim ‘Deutscher Meister’ Lied schlug der karnevalistische Schunkelrhythmus sofort durch,
eine Welle der Gemeinsamkeit zog durch das Publikum, aber trotz der sehr eingängigen, mitsingbaren Melodie war es nicht “Ballermann”-, sondern “Ostermann”-Feeling. Sehr
liebevoll geschrieben und richtig schön. Sentimental-kölsch eben.
Eine Auflistung der Reihenfolge gibt es am Ende des Berichtes, hier halt ich mich etwas
kürzer als sonst. Das Konzert näherte sich langsam dem Ende und mit einem wild umjubelten ‘Schlag mich baby” hörte es nach 23 Liedern auf, ging aber sofort mit dem
Zugabenteil weiter. Die Wise Guys stellten sich ohne Ansage auf, aber leider grölten da ein paar aufgedrehte Fans den Anfang von ‘Julia’ los und störten den Beginn des nächsten Liedes. Nervig.
Aber danach gab es dann mein ‘Ich-fall- vor-Lachen- fast-vom-Stuhl” -Lied. Mit abgebrochenem Anfang, da Ferenc sich nicht auf dem Monitor hören konnte und abwinken
musste, aber der Schaden wurde sofort behoben und es ging richtig los. ‘Rasier dich’ - einfach unglaublich. Ein absolut supergutes Duostück von Sari und Ferenc, das ganz
schnell an ein klassisches Outing der beiden denken lässt. Tiefe Blicke, knisternde Stimmung, enger Tanz - wow! Dazu supergute lässige Bewegungen, Rumba-Wiegeschritt
und fast schon die Gewissheit, dass die beiden auch im Privatleben ein Paar sind. Aber Pustekuchen! Alles nur gespielt und mit Charme und Augenzwinkern gebracht. Ich muß
ehrlich sagen, dass ich es sehr mutig von beiden finde, dass sie das machen und auch noch so überzeugend spielen. Riesendickes Lob, es ist umwerfend gut!! Ganz selbstbewußt, mit
einem Schuß Erotik, sehr witzig und trotzdem ohne jede Lächerlichkeit. Klasse! Der dicke Applaus sprach für sich und das spätere Jubeln der Mädels (und auch der reifen Damen)
für Sari und Ferenc klang weder enttäuscht noch unsicher. Zum Abschluß dann ‘Träum vom Meer’, eigentlich ein absolutes Ende. Mit dem ersten Ton
traf dieses Lied bei mir wieder den Nerv und ging wirklich tief rein. Hört sich jetzt sehr medizinisch an, ist aber nur ein Vorwand, um meine Empfindungen nicht näher beschreiben
zu müssen. Ich finde es traumhaft schön, halte Däns Leadstimme für perfekt besetzt und schmelze bei dieser zarten Ruhe nicht nur einfach vor mich hin, sondern verliere wirklich
etwas die Fassung. Das geht aber nicht nur mir so, wie ich inzwischen weiß. Beim Tanzbrunnenkonzert war ich fast sauer, als noch im letzten Schlußakkord jubelnder
Applaus losbrach. Das Lied verdient eine mindestens 5-Sekunden-Pause zwischen verklungenem Akkord und erstem Beifall! Schön, dass die Wise Guys auch ein ganz
ruhiges, nicht-witziges Lied bringen und den Großteil des Publikums damit völlig überzeugen können.Am Ende gab es von 9000 Besuchern dicken Applaus für das ganze Konzert mit seiner
superschönen Stimmung. Obwohl eine große Gruppe von Fans noch längere Zeit wild und ausdauernd klatschte, machten sich ringsherum die meisten Leute auf den Weg zum
Ausgang und die Wise Guys kamen nicht nochmal zurück auf die Bühne. Nach vier Zugaben aber auch in Ordnung.
Sonntag, 26.5. Am Sonntag gab es einige kleine Unterschiede zum Vortag. Das Wetter
war wechselhafter, bewölkter und ich überlegte, ob ich doch einen Job als Wetter-Fee annehmen sollte. Glücklicherweise fiel mir rechtzeitig ein, wie die Jungs normalerweise
mit Feen umgingen (Bei Dän werden sie in die Nordsee gekippt und Clemens führt Flügelamputationen an ihnen durch!) und ich tat harmlos und unauffällig. Gut 5000 Leute
verteilten sich auf fast die gleiche Grundfläche wie am Samstag, ließen dabei aber mehr Platz um sich herum. Das Programm war wegen einer Erkältung bei Clemens, die über Nacht
noch stärker geworden war, leicht umgestellt und damit war ‘Träum vom Meer’ etwas nach vorne gerückt. Keine schlechte Idee, denn so ganz am Schluß war es ein sehr absolutes
Ende. Ich persönlich würde es wohl generell in die Mitte der zweiten Programmhälfte stecken, wo es die Stimmung nochmal ganz sentimental macht, bevor es mit rasanten Stücken auf den Schluß zugeht.
Am zweiten Tag waren auch nicht mehr so viele ‘harte’ Fans dabei, so dass zwar trotzdem laut und begeistert applaudiert, aber nicht mehr so oft im großen Verbund an passenden
und unpassenden Stellen gebrüllt wurde. Mir gefiel die Stimmung fast noch etwas besser, weil sie noch ruhiger und relaxter war. Außerdem gab es ganz viele blaue und rote
Luftballons, die frische, lustige Farbkleckse waren. Bei ‘Probier’s mal mit ‘nem Bass’ gab es am Anfang seltsame und sehr unangenehme Tonstörungen, die auch auf der Bühne
Irritationen auslösten. Ein kleiner Junge in der ersten Reihe blies begeistert auf seiner Mundharmonika mit, was zwar niedlich aussah, aber total störte. Ich war empört, weil ihm
keiner das Ding sofort abnahm. Auch wenn das vielleicht sein absolutes Lieblingslied war, das er zu Hause zur Freude seiner stolzen Eltern (grins) immer reizend mitpustete, hat die
Selbstverwirklichung der Kinder ihre Grenzen. Da zählt dann doch eher die Rücksichtnahme. Im a-cappella-Konzert laut und falsch Mundharmonika mitzuspielen - nicht
zu fassen! Demnächst nehme ich auch mal meine Trompete mit!! Zum Glück kam einer der Ordner an und regelte das ganz schnell. Nach der Ansage von Dän, dass ihnen das Schlaflied ‘Träum vom Meer’ sehr am Herzen
läge, gähnte doch tatsächlich ein Zuschauer laut und demonstrativ lustig, machte die ganze Stimmung kaputt und hatte absolut nichts begriffen. ( Kleiner Tipp: Es gibt Musik-Gruppen,
die nur lustig und ohne Tiefgang sind, da könnte es euch besser gefallen, und mir würde das auch Freude machen, wenn ihr DA euren Spaß habt.) Zum Glück wurde es dann
während des Liedes doch sehr ruhig und es war noch ein großes Stück schöner als am Vortag. Am Ende ganz sanft und ruhig... nee, jetzt schreib ich nicht noch mehr dazu. *schmacht*
Am Schluß gab es zum Ausklingen ‘Wonderful world’, auch ein Schmelzlied, danach langen Applaus und das Wise Guys Wochenende war beendet. 14.000 Zuschauer an zwei Tagen,
superschöne Stimmung, viel Spaß und wirklich außergewöhnliche Konzerte. Schade für die, die nicht dabeisein konnten. |