1. Total-Nacht Die Wise
Guys Total-Nacht findet seit 1998 alle zwei Jahre statt. Von 19:00 bis 1:00 Uhr morgens singen die Wise Guys in fünf Blöcken zu je einer Stunde etwa 70 Lieder ihres Repertoires. Die Veranstaltung hat Kult-Charakter, die
Karten sind begehrt, und der Erlös des Abends wird gespendet. Die 4. Totalnacht war am 18. Februar 2004 in der Stadthalle Köln-Mülheim. 2. Total-Nacht-Karten Die Preise für die Karten
wurden im Vergleich zu den Vorjahren erhöht und lagen jetzt mit Vorverkaufsgebühr bei etwa 50,-Euro pro Person. Schüler und Studenten mussten 28,- Euro bezahlen. Kein billiges Vergnügen, und es gab empörte Stimmen, die
sich über diese “Abzockerei” beschwerten. So viel Geld für ein Konzert?? Hielten die Wise Guys sich jetzt für Superstars, oder was? Einige Leute hatten daraufhin keine Lust mehr auf die Total-Nacht und manche meinten
etwas beleidigt, dass sich mit den hohen Preisen ja jetzt auch die Nachfrage regeln würde. Dass es für das Geld ein sechsstündiges Kult-Konzert mit garantiert guter Laune und großem Unterhaltungswert gab, verdrängten
sie dabei ein wenig. Ja, es war toll, dass die Einnahmen an zwei gute Zwecke gespendet werden sollten, aber warum selber dafür so viel Geld bezahlen? Spenden schön und gut, aber doch nicht von mir!
3. Total-Nacht-Karten-Telefon-Verkauf Am 29. November 2003 startete der Verkauf von etwa 600 Karten per Telefon. Zwei Leitungen wurden pünktlich freigeschaltet und sofort von vielen Anrufern
blockiert. Eine gute halbe Stunde später waren viele Telefone heißgewählt und die Karten alle weg. Verzweifelte Fans vergossen heiße Tränen oder schrieben sich ihren Frust im Gästebuch von der Seele. Einen überzeugenden
Vorschlag, wie man insgesamt etwa 1.000 Karten an weit mehr Interessenten möglichst gerecht verteilen könnte, bot aber keiner. 4. Total-Nacht-Rest-Karten-Büro-Verkauf Eine
Chance an die begehrten Eintrittskarten zu kommen, hatte man am 10. Januar 2004, einem Samstag. Um 11 Uhr startete im Kölner Wise Guys Büro der Direktverkauf der letzten Karten, was einige Leute schon wieder blöd
fanden, weil sie weiter weg wohnten und nicht dafür nach Köln fahren konnten oder wollten. Von den extra anreisenden Interessenten wurde dagegen tagelang überlegt, wann man vor d em Büro sein musste, um zu den glücklichen Käufern zu
gehören. Einige entschieden sich für den Abend vorher und verbrachten die Nacht in Schlafsäcken vor der Bürotüre; die anderen stellten den Wecker früh und kamen zum größten Teil zwischen 6 und 8 Uhr an.
Um 9 Uhr stand die ordentlich an der Häuserwand entlang aufgebaute “Total-Nacht- Rest-Karten- Büro-Verkauf-Schlange” schon von der Bürotüre bis hinter die etwa 150 m entfernte Strassenecke herum.
Das heißt, es standen nicht alle, einige hatten Stühle mitgebracht oder saßen auf Decken und Isomatten am Boden. Auffällig war, dass die Stimmung überall aufgedreht und lustig war. Wise Guys Musik erschallte
halblaut aus verschiedenen CD-Playern, es wurde gelacht, erzählt und Thermoskannen gingen herum. Zum Glück war der angekündigte Regen nicht
gekommen, die Temperatur lagen am Morgen um 6 Grad herum, und es war damit für Januar sogar relativ warm.
Bei den Übernachtern ganz vorne wurden Eier und Kakao auf Campingkochern gekocht, die
nahegelegene Bäckerei an der Ecke verkaufte unüblich viele Brötchen und Croissants, und der McDonalds an der Strasse konnte auch einiges zur Versorgung beitragen.
Gegen 10 Uhr kamen Eddi, Sari, Dän und
Ferenc, um Tee und Kaffee zu verteilen, ein Service, der gerne in Anspruch genommen wurde. Es gab lockere Gespräche, Zurufe und Fragen, und die Fans freuten sich, dass die
Wise Guys stressfrei und freundlich mit dabei waren. Eddi zählte immer mal wieder durch und gab vorsichtig erste, positive Aussichten für das Ende der Schlange bekannt: “Das könnte eventuell klappen!”
Um 11 Uhr begannen Sari und Ferenc mit dem
Verkauf. Sari rechnete als Mathematiker die Preise für jeweils zwei Karten aus und kassierte, Ferenc überreichte sie und führte eine Strichliste. Alles ging ohne Gedrängel und Stress ab, auch
wenn die Spannung im hinteren Drittel der Schlange stieg, ob es genug Karten geben würde. Es standen mehr Leute, als beim vergangenen Büroverkauf an, aber es nahm nicht mehr jeder
grundsätzlich zwei Karten mit. Bei den hohen Preisen wollte kaum einer das Risiko eingehen, auf gut Glück mit einer weiteren Karten nach Hause zu kommen und eventuell keinen Interessenten
dafür zu finden. Außerdem gab es ziemlich viel e Leute, die nur als Begleitung für einen
Kartenkäufer dabei waren, damit es dem nicht langweilig wurde und weil es gemeinsam in der Warteschlange viel lustiger war.
Das Ende der Schlange rückte auf die Bürotüre
zu. Eddi stand einige Meter entfernt, zählte durch und stellte mit Blick auf die hintersten Leute fest: “Das könnte reichen”. Die bekamen schon einen Schreck, weil sie nicht genau hören konnten, was
er sagte, wurden aber sofort aufgeklärt, dass es wohl tatsächlich mehr Karten, als Ansteher geben würde. Blöde für die, die im Verlauf des Morgens zum Büro gekommen waren, die Schlange grob abgezähl t hatten und sofort wieder gegangen waren, weil sie es für aussichtslos gehalten
hatten.
Um 11 Uhr 45 (45 Minuten NACH Verkaufsbeginn!) kam ein Herr, stellte sich an das kurze Reststück der Schlange und fragte erfreut: “Lohnt es sich noch, sich anzustellen?” Keine fünf Minuten später
war er dran, bekam er seine Karte und zog freudestrahlend ab. Glückspilz! Die Übernachter stellten grinsend fest: “Der war um Viertel VOR 12 da, wir um Viertel NACH 12 - aber eben schon
gestern.” Sie hätten ihre lustige Nacht aber nicht getauscht, denn sie hatten sehr viel Spaß gehabt eine Nacht auf den Straßen von Köln vor dem Wise Guys Büro zu verbringen.. 5. Total-Nacht-Allerletzte-Rest-Karten-Ebay-Versteigerung Weil es nach dem Büroverkauf tatsächlich noch ein paar Restkarten gab, stellten die Wise Guys
sie nach und nach bei ebay ein, damit sie deutschlandweit ersteigert werden konnten. Sofort gab es die nächste Kritik, dass damit die Schüler und Studenten keine Chance auf ermäßigte
Karten hätten, weil die Preise so hoch gingen, und dass man das besser bei einem zweiten Telefonverkauf gemacht hätte. Die ersten beiden Karten gingen zusammen für sagenhafte 246,-
Euro weg, und auch die weiteren Karten wurden im Schnitt für jeweils etwa 80,- Euro ersteigert.
6. Total-Nacht-Plötzlich-Übriggebliebene-Rest-Karten-Schnell-Verkauf
Kurz vor der Total-Nacht gab es dann plötzlich wieder übriggebliebene Karten, weil Leute krank geworden oder einfach abgesprungen waren. Die Verkäufer waren froh, die Karten für
den Normalpreis zu verkaufen, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Ganz überraschend kamen also einige Kurzentschlossene doch noch an Karten zu Normalpreisen. Selbst unmittelbar
vor dem Konzert gab es noch Aufrufe im Gästebuch: “Hilfe! Habe eine ermäßigte Karte zu viel!”, und sogar in der Warteschlange vor der Mülheimer Stadthalle fanden einige Karten noch ihren neuen Besitzer.
Wie es dann weiterging, ist im nächsten Teil Konzert - 1.Teil zu lesen.
Ich danke Herrn Daniel Dickopf aus Köln, der das Wort “Total-Nacht-Karten-Büro-Verkauf” benutzte, das hier vielfältige Verwendung in den Überschriften fand. |