Eine laute Fanfare, die an Filmmusik und glorreiche Helden erinnerte, holte die Zuschauer aus der Pause zurück, sofern
sie in diesem Moment kapierten, was das bedeuten sollte. Auf der Bühne standen inzwischen drei hölzerne Barhocker, auf denen jeweils eine Gitarre lag. Ein schönes Stilleben, das leider zerstört wurde, als die Wise Guys
dazu kamen, aber es wäre auf Dauer ja auch etwas langweilig geworden. Von der Kleidung her hätte dieser Block auch “Kreuz und Quer” heißen können, denn die Klamotten waren wild gemischt. Dän trug einen Anzug, Eddi und
Ferenc lockere Zivil-Kleidung, und Clemens und Sari hatten off enen Hemden an, die den
Blick auf Brust und Bauch freigaben. Mmmmh, sah ziemlich gut und echt knackig aus. Alle zusammen riefen ihren Spruch: “Niemals aufgeben! Niemals kapitulieren!”, dann griffen Ferenc, Dän und Eddi
nach den Gitarren, setzten sich auf die Hocker und begannen mit den ersten Akkorden von Back for Good. Ein lautes Geschrei antwortete ihnen, und eine Unmenge von Blitzlichtern erhellten eine Weile lang die Bühne.
Eddi sang die Leadstimme, während Clemens und Sari lässig-lasziv am Bühnenrand standen. Als ein lauter “Sari!!”-Ruf aus dem Publikum kam,
eindeutig von einer jungen Frau kurz vor dem nervlichen Zusammenbruch geschrieen, öffnete Sari sein Hemd einen kurzen Moment lang etwas weiter und mehrstimmiges, lautes Gekreisc he kam aus dem Saal. Er machte es nochmal, und wieder flippten die Massen aus. Bevor er aber
noch auf andere Zeige-Ideen kam, begann der Tanzteil mit Clemens, der entzücktes Johlen beim total begeisterten Publikum auslöste. Im tosenden Lärm am Ende des Liedes zog Clemens sein Hemd
mal kurz ganz über die Schultern zurück und ließ wahrscheinlich einige Mädels, die eben noch nach Sari gebrüllt hatten, stutzen und ihre Wahl kurzfristig überdenken.
Vier Wise Guys gingen von der Bühne ab, und Dän blieb alleine mit der Gitarre auf dem Hocker sitzend zurück. “Herzlich willkommen zum zweiten Block. Wir freuen uns, dass so viele von
Ihnen den Weg zurück gefunden haben.” Er ging kurz auf seinen Anzug ein: “Wir haben für diesen Balladenblock eine Montur ausgewählt, die so ungefähr das Schlimmste ist, was wir in
unserer Karriere jemals getragen haben. Die Anzüge haben wir bei einem Herrenausstatter in Köln gekauft.” Naja, so schlimm war das doch gar nicht. Ganz alleine begann er mit Es tut so weh
, und ein zunächst leiser Publikums-Chor, der beim Refr ain aber immer lauter wurde, sang mit. Plötzlich sah man im hinteren Teil der Bühne einen
Wise Guy schnell hinter den Vorhang laufen, kurz darauf einen zweiten und dann noch einen dritten. Das Publikum lachte fröhlich. Hinter dem Vorhang waren metallische Geräusche zu hören und
Bewegungen im Stoff zu sehen. Dän hörte mit dem Singen auf und drehte sich um, dann wiederholte er sprechend die letzten beiden Zeilen und setzte mit dem Lied wieder ein. Unmittelbar darauf kam
die Textstelle, wegen der es im hinteren Bereich diese Unruhe gegeben hatte. Der Vorhang ging weit oben auf, und Clemens, Eddi und Sari sangen
auf einer hohen Leiter stehend und grellbeleuchtet ihren kölschen Satz: “Unser Hätz schlät für der FC Kölle!” Lauter Jubel antwortete ihnen, und bis zum letzten Refrain waren sie heil wieder
herunter geklettert und kamen - jetzt auch in Anzügen - auf die Bühne. Vor dem nächsten Lied war jetzt erstmal die Spendenübergabe dran. Dän freute sich: “Weil alle
bereit waren in diesem Jahr mehr Geld auszugeben, haben wir ein ordentliche Menge Kohle bekommen.” Die Vertreter der beiden bedachten Organisationen kamen auf die Bühne, und Dän
überreichte große Schecks. Ich hatte ja den Verdacht, dass die nicht echt waren, aber das schien keiner zu merken. Dän gab den ersten Scheck: “Für “Menschen für Menschen” ein Scheck
über 16.000 Euro. Wir freuen uns sehr.” Das Publikum jubelte, und Dän übergab den anderen Scheck: “Und für die Jugendwerkstatt in Köln-Klettenberg gibt es 5 Euro. Nee, auch 16.000.”
Beide Vertreter erzählten, für was die Gelder verwendet würden, wobei der Herr von der Jugendwerkstatt fröhliche Lacher auslöste, als er von den Schwierigkeiten der Jugendlichen
berichtete und aufzählte: “... manche von denen haben Probleme morgens rechtzeitig aufzustehen.” Naja, das war nicht wirklich ungewöhnlich. Allerdings wirkte es etwas
befremdlich, als er von der Spende pädagogisch sinnvolles Kanufahren plante, und der Vertreter von “Menschen für Menschen” danach von 16.000 Menschen in Äthiopien sprach, die
mit dem Geld ihr Leben lang sauberes Trinkwasser haben würden. Beides ist auf ihre Art natürlich wichtig, aber es kam in der Kombination unterschiedlich wichtig rüber. Dän las noch
ein langes Grußwort von Karl-Heinz Böhm, dem Initiator von “Menschen für Menschen” vor, dann überreichte der Herr von der Jugendwerkstatt jedem Wise Guys eine große, schwere
Metallrose, die die Jugendlichen gebaut hatten. Dän staunte spontan: “Wow, seh’n ein bißchen aus wie Waffen!”, was die friedliche, salbungsvolle Spendenstimmung sofort zerstörte und
lautes Gelächter auslöste. Völlig unpassend, aber sehr witzig. Aus Äthiopien bekamen die Wise Guys kleine Ketten und es ging mit dem Programm weiter.
Sari war dran: “Tja, mir fällt jetzt die ehrenvolle Aufgabe zu hier einen schwungvollen Übergang zu schaffen. Wir werden heute alle moderieren, auch der Ferenc...” Das Publikum gröhlte kurz los, “... für diesen Block sind aber erstmal der Eddi, meine reizende Assistentin”, er
zeigte kurz auf ihn: “...und ich zuständig.” Er blickte konzentriert auf den Zettel, der am vorderen Bühnenrand lag und erklärte: “Jetzt eine Ballade, nachdem die beiden ersten Lieder keine
waren. Ein Lied, bei dem der Eddi, glaube ich, mal den Text geschrieben hat. Er blickte fragend zu Dän: “Die Musik auch?” und nickte dann ins Publikum: “Die Musik auch!” Die wahre Liebe
ging los, Eddi hatte die Leadstimme und alles klang sehr schön. Plötzlich fehlte ihm ein Wort. “Du hast nie mehr Lust auf mich, bist du schon wieder............” Sofort sang er
weiter: “Sturer Bock, Idiot, Drecksack, blöde Sau!” und ergänzte sofort zufrieden grinsend, weil es ihm doch noch eingefallen war: “blau!” So ganz pannenfrei lief die Total-Nacht nicht ab. Wie schön! Die Moderation nach dem Lied übernahm Eddi:
“Hat schon einer was über die Klamotten gesagt? Wir waren mal bei einem Herrenausstatter. Der hat uns dazu geraten und wir fanden das irgendwie total toll.” Ein Zwischenruf kam aus dem
Publikum und er wiederholte fragend: “Ist es auch?? Wer war das?” Tolerant kommentierte er: “Eine Einzelmeinung, die wir respektieren.” Es war aber gar keine Einzelmeinung, denn ich fand die
Anzüge auch nicht so fürchterlich. Es war eine Bühnenkleidung, die aus bühnenoptischen Gründen ganz OK war und über die ich mich nie aufgeregt hatte, obwohl ich überhaupt kein Anzug-Fan
war. Sie sah etwas seriöser aus, als die Wise Guys waren, aber lange nicht so schlimm, wie den Jungs immer eingeredet wurde. Da gab es inzwischen schon manchmal Hemden beim
Bühnenoutfit, die als modern galten, aber viel schlimmer aussahen! *grins*
Clemens sang Liebe geht durch den Magen, salzte erst die Rotweinsuppe, würzte dann die
Rotweinsoße, und war textlich etwas verwirrt. Ansonsten war es aber schön, und viele Fans waren begeistert, weil sie die alten Nummern mal wieder, oder sogar zum ersten Mal live
erleben konnten. Nach dem Applaus versuchte sich Sari wieder an der Moderation, blieb aber etwas holperig. “Wir singen ein tragisches Lied, ein Lied, das handelt von einem kleinen Jungen,
...ääh, dem...., ääh, ich hab mir,... mmmh, ehrlich gesagt total in die Hosen gemacht, vor allem wegen der Ansagen. Nicht wegen der Texte oder so, nee, wegen der Ansagen. Und dann hab ich
mir eben hinter der Bühne gedacht, ist ja scheißegal, wenn du jetzt irgendwie nicht mehr weiter weißt, dann machst du die Kuh.” Das Publikum jubelte laut, und Sari ergänzte: “Wär jetzt beinah so weit gewesen.”
Rollbrett fetzte los, Dän und Eddi standen links und rechts und begleiteten mit den Gitarren. Es rockte das Haus, wie man heutzutage sagt, aber da mir der Begriff überhaupt nicht gefällt,
nehme ich den lieber zurück. Es war stattdessen fetzig, rockig und mitreißend. Das Publikum ging mit, und danach war Sari schon wieder mit der Moderation dran: “Das war eine
Coverversion, und wir covern eigentlich nur dann, wenn das Lied ein a-cappella-Arrangement vertragen kann.” Clemens guckte grinsend rüber und deutete dann ein Gitarrespielen an, denn
das “Rollbrett” war von zwei Gitarren begleitet worden, “Back for Good” sogar von drei. Dickes Gelächter vom Publikum, aber Sari hatte das nächste Stück gemeint: Lullaby von Billy Joel. Im
Saal blieb es ganz ruhig und alle hörten still zu. Schön! Ohne weitere Ansage ging es mit Gehnurjanie Indibarda in südamerikanischen Rhythmen weiter.
Clemens hatte den Shaker mitgebracht, und das ganze Stück war locker, leicht und wunderbar. Zum Schmelzen! Ist ja sowieso eines meiner geliebten Lieder.
 
Das Publikum war nach den Textpatzern in einigen Liedern nicht untätig geblieben und hatte Zettel mit Strichlisten auf die Bühne gelegt. Eddi erklärte sie den Leuten in den hinteren
Reihen: “Ich habe schon zwei Striche, da müssten eigentlich drei sein, da hat jemand nicht ganz richtig aufgepasst, der Ferenc hat einen halben, der Daniel einen und der Clemens zwei. Also im
Moment liege ich klar in Führung!” Als klassische Wise Guys Ballade kam Träum vom Meer, bei der im Saal wieder große Zuhör-Ruhe herrschte. Wie schön, dass da keiner dachte, er müsse laut mitgrölen! Am Ende gab
es dicken, langen Applaus. Bis es wieder ruhig war, war Clemens verschwunden. Sari kündigte einen großen Star der deutschen Musik an, der sich für nix zu schade sei, und rief: “Meine
Damen und Herren: Wolfgang Petry!” Es ka m aber keiner, und so gab er nach vergeblichem
Umblicken mal den Ton an und die vier Wise Guys begannen mit dem Intro. In letzter Sekunde vor seinem Einsatz kam Clemens auf die Bühne gelaufen, hatte das Jackett ausgezogen, dafür
eine wuschelige Perücke auf den Kopf gestülpt, sang sofort los, musste dabei aber noch seine Armbänder über den linken Unterarm streifen. Da war der Sari mit seiner Ankündigung eindeutig zu
schnell gewesen. Ferenc musste lachen und hielt sich dabei die Hand vor das Gesicht, und auch das Publikum fand alles sehr lustig. Es kam gar nicht
mehr aus dem Lachen raus, begleitete die textuntermalenden Bewegungen mit Quietschen und Johlen und steigerte sich am Ende des Liedes in donnerndes Fußgetrampel. Oh, Scheiße
war klasse und kam ebenfalls richtig gut an. Danach kündigte Eddi zwei Lieder an, die mit den Comedian Harmonists zusammenhingen. Zunächst kam Irgendwo auf der Welt, bei dem Sari die Leadstimme sang. Es war wunderschön! Sari’s Stimme war sanft, klar und perfekt
passend für dieses Lied. Das darf nicht mit opernhafter Fülle gesungen werden, sondern mit genau der Leichtigkeit, die Sari rüberbrachte. Große Klasse! Der schnellere, rhythmisch geprägte
Teil, der gegen Ende eingebaut war, musste wegen mir nicht sein. Der störte eigentlich nur das klare, ruhige, wunderschöne Lied. Das Publikum blieb wieder mal ganz leise und donnerte erst am Ende
mit dem Applaus los. Schöne Stimme, Sari! Auch das nächste Lied hatte noch entfernt mit den Comedian Hamonists zu tun. Parfum wurde von Fred Kassen geschrieben, der in der späteren,
zweiten Comedian Harmonists-Besetzung mitmachte. Nachdem die Nazis die jüdischen Mitglieder der Gruppe aus Deutschland vertrieben hatten, versuchte eine zweite, rein arische Besetzung an
die Erfolge anzuknüpfen, hatte aber keinen großen Erfolg mehr. Sie nannten sich noch “Comedian Harmonists”, waren es aber nicht mehr. Eddi sagte an: “Es blieb von deinem Glück,
...äh, von UNSEREM Glück, nur dein Parfum zurück.” Nach diesem Ausflug in alte Zeiten gab es noch einen Schlenker in längst vergangene Wise Guys Zeiten zu Wenn ich bei dir bin
. Sari erläuterte im Stil von Eddi, also leicht wirrig, aber sehr liebenswert: “Immer wieder werden wir gefragt, ob die selbstgeschriebenen Lieder denn größtenteils, oder wenigstens in.....ää äh... großen Teilen, größtenteils ...äh, ob sie biographisch
seien, und das ist eigentlich meistens nicht der Fall. Beim nächsten Lied lässt sich nicht verleugnen, dass dem Eddi der Einfall dazu auf einer Grillparty gekommen sein muss.” Die Wise
Guys rückten auf der Bühne zusammen, um den Anfangston von Sari zu bekommen, da fiel ihm plötzlich noch was ein: “Das Lied enthält die wahrscheinlich umstrittenste Textzeile ääh,..... ja.”
Das Publikum lachte los, Daniel guckte auf die Uhr, und Sari gab endlich den Ton an. Ich gebe zu, dass das Lied etwas ungewöhnlich in manchen Harmoniefolgen und etwas seltsam
an manchen Textstellen ist, aber ich mag es trotzdem! An der berüchtigten Zeile zeigte Dän im Rhythmus des Liedes auf Eddi, um darauf hinzuweisen. “Ich bin so glücklich wie ein Würstchen
an der frischen Glut.” Naja. Mut muss man haben. Als Clemens sein leidendes Gesicht aufsetzte,
reagierte das Publikum mit lauten “Ooooh”s, und Dän sagte das letzte Lied des zweiten Blockes an: “Es ist ein Lied, das total neu ist. Es ist viereinhalb Wochen alt und auch eine Ballade. Nur für dich.”
Dass das Lied super ankommt, hatten die Wise Guys schon auf den letzten Konzerten erleben können, und bei der Total-Nacht war das nicht anders. Witzig, schnell und vor allem mit überraschendem Schluß, der einen weiteren
Lacher hervorrief. Unter großem Jubel gingen die Wise Guys ab und die zweite Pause war da.
Back for Good Es tut so weh Die wahre Liebe Liebe geht durch den Magen Rollbrett Lullaby
Gehnurjanie Indibarda Träum vom Meer Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n Oh Scheiße Irgendwo auf der Welt Parfum Wenn ich bei dir bin Nur für dich
weiter zum Konzert 3.Teil
zurück zur Total-Nacht-Seite
|