Der dritte Block begann zunächst wie üblich mit Heldenmusik, diesmal von “Indiana Jones”. Allerdings blieb die Bühne
dabei fast dunkel und wurde nur von zwei schwachen Scheinwerfern erhellt. Plötzlich brach die Musik ab und es ertönte laut: “Niemals aufgeben! Niemals kapitulieren!” Die Wise Guys waren aber nirgendwo zu sehen, was
leichte Verwirrung im Publikum auslöste und ein lautes Mitbrüllen verhinderte. Häh? Keiner da? War das eine Panne? In diesem Moment wurde es auf der Bühne ganz dunkel und ein zuerst undefinierbarer Gesang begann. Ein
Backgroundchor sang Töne, aber erst als plötzlich etwas verspätet das Mikro vom Leadsänger Eddi dazugeschaltet wurde, erkannte man Live and let die. Das Bühnenlicht wurde hochgefahren und die Wise Guys kamen
langsam von links ins Blickfeld. Dann legten sie mit der abwechslungsreichen Choreographie los, die Musik war mal zart, mal heftig, und für’s Auge wurde eine Menge Lightshow und Bewegung geboten. Klasse! Heftiger
Beifall ging nach dem letzten, verklingenden Ton los, und Dän sagte, als es wieder leise geworden war: “Das ist unser neuer “Golden Eye” sozusagen. Den haben wir endlich, nach 27 Jahren aus der Show geschmissen.” ‘Gecoverte Versionen’ waren das Thema des
Blocks, und nach Paul McCartney’s “Live and let die” waren Die Philosoffen von Tom van Hasselt dran. Es war witzig wie immer, nur in einem Zwischenteil kamen leichte Unsicherheiten zum
Vorschein, als die Wise Guys im Wechsel “Hump - hump - hump” singen mussten, und die Ausführungen in Lautstärke und Rhythmik ziemlich voneinander abwichen. Aber sie hangelten sich unter dem Gegrinse der Zuschauer
durch die hakelige Stelle und waren danach wieder drin. Sari sagte nach dem Stück: ”Es kommt selten vor, dass wir ein Lied wie bei den
“Philosoffen” mit Musik und Text übernehmen. Meistens müssen wir den Text verändern, weil der doch irgendwie scheiß e ist. oder sagen wir mal: nicht mehr aktuell.”
Es ging weiter mit Griechischer Wein, im
Ursprung von Udo Jürgens. Die Wise Guys hatten den Originaltext modernisiert, wackelten mit nassen Fingern in ihren Mündern herum, gaben dabei kindische Geräusche von sich und brachten
den Saal zum Jubeln. Manchmal scheint es ganz einfach zu sein, die Massen zu begeistern. “Dankeschön! Die nächste Nummer....” war eine tiefe, gut klingende Stimme zu hören, und die
Zuschauer reagierten sofort lautstark und total begeistert mit Jubel und Pfiffen. Ohhhh, Ferenc sprach! Ich bekam gleich ein schlechtes
Gewissen, weil ich noch nie laut losgejubelt hatte, wenn er mit mir redete. Mist. Das würde ich in Zukunft natürlich ändern müssen!
Ferenc sprach locker das Publikum an und wirkte dabei lässig und souverän. Er erläuterte, inwiefe rn seine erste, große Liebe mit dem nächsten Song zu tun hätte und zählte dafür einige Zahlen auf. “Ich war 17 Jahre alt. Es hat ein Jahr gedauert, bis wir zusammen waren. Ich war
18 und wir hatten uns schon mindestens 1000 Mal im Tanzunterricht berührt.” Das Publikum wollte losjubeln, da stoppte Ferenc den Ausbruch mit: “Ja, Moment! Wenn man die Zahlen
zusammenrechnet und durch 11 teilt, kommt man auf 94. Fast. Und am 9.11.94 war es dann soweit und es hat richtig Zoom gemacht!” Jetzt durfte das Publikum jubeln und legte auch sofort los. Es
freute sich über das angekündigte Lied, aber auch über die kompliziert berechnete, aber süße Ansage, und natürlich über die schöne Stimme. 1001 Nacht
fetzte supergut los und wurde in den Refrains laut mitgesungen und mitgeklatscht. Die von Dän angedeutete “silberne Spange” brachte spontane Lachanfälle und
irgendwie feierte der ganze Saal in Superstimmung mit. Klasse! So ganz nebenbei war das Original-Stück auch das Lied meiner eigenen Beziehung. Nur, dass ich damals keine silberne
Spange hatte. Und bisher hatte ich auch noch nie Zahlen zusammengesucht, die das so verblüffend belegen konnten. Ferenc bat für die nächste Nummer um ein gemeinsames Schnippen und die Zuschauer setzten
sofort willig ein. Er stand in der Mitte der Bühne und gab freundlich, aber bestimmt Anweisungen an seine Kollegen: “Von Clemens und vom Eddi bitte die üblichen Spontaneinlagen!
- Sari, bitte den Ton!” Dann warf er einen ruhigen Blick zu Dän und kommandierte: “Na, los!” Der Saal johlte, und Dän setzte ganz brav und ohne Widerstand mit seiner Einleitung zu King of the road
ein. Superwitzig! Der Text wurde von den Zuschauern lautstark mitgesungen, so dass Ferenc von einem Chor be gleitet wurde und die anderen Guys nur noch singende Statistenrollen übernahmen. Das war wirklich Ferenc’ Lied und er dabei die absolute
Hauptperson. Am Ende allerdings muckte Clemens vorwitzig auf und stand unerwartet links hinter Ferenc, anstatt rechts, um seinen Einwurf: “...Idiot!” zu singen. Ferenc drehte sich wie üblich
nach rechts, suchte kurz, guckte dann schnell nach links und musste lachen. Supergut, den King kurz aus dem von ihm angeordneten Konzept zu bringen!
Wie üblich gab es danach langen Jubel. Sari guckte demonstrativ auf die Uhr, aber die Klatschlautstärke blieb gleich, nur dass noch Fußgetrampel dazu kam. Der Lärm steigerte sich
weiter in rhythmisches Klatschen mit lauten “Hey!”-Rufen, und auch Ferenc guckte auf die Uhr. Irgendwann wurde es leiser und Ferenc kam durch: “Vielen Dank, auch im Namen meiner Band!
Dankeschön!”, woraufhin fröhliches Gelächter losplatzte, denn das war der etwas abgeänderte Satz, den sonst Dän an dieser Stelle sagte. Sehr witzig!
“Das nächste Lied möchte ich gerne verschiedenen Leuten widmen”, begann Ferenc und zählte auf: “Ich möchte es Udo Jürgens widmen, Tom und Jerry, Fleurop international, dem
Blumenladen an der Ecke Sülzburgstrasse, und ...” er blickte sich zu den anderen vier Wise Guys um und fuhr freundlich lächelnd fort: “... meinen Jungs, die es geschafft haben acht
Jahre lang, ACHT JAHRE LANG Witze über mein Alter zu machen und Sie damit zu unterhalten. Vielen Dank!” Es hörte sich an wie die Danksagung bei der Oskarverleihung, war
dann aber doch irgendwie ganz anders. Das Publikum klatschte jedoch wie bei einer Oskarverleihung los und feierte damit nicht nur Fleurop und die Jungs, sondern auch Ferenc und seine Ansagen. Es folgte
Vielen Dank für die Blumen, das zwar nicht besonders spektakulär war, aber viele Lacher auslöste.
 
Ohne weitere Ansage ging es mit dem Root Beer Rag
weiter, der an den ersten Tönen erkannt und freudig bejohlt wurde. Sari erklärte danach: “Wir können Bergfest feiern, das heißt, wir
haben die Hälfte der Lieder, die wir heute abend singen, hinter uns gebracht. “Ach, du Scheiße!” war der spontane Ausruf eines Mannes, den ich hier mal nicht öffentlich bloßstellen
will. Die meisten anderen Zuschauer reagierten mit enttäuschtem: “Ooooooh!”, und Sari schob hinterher: “Für uns ein Grund zu feiern, für Sie ein Grund zu trauern.”
Da Ferenc vorher mit seinen Ansagen so abgeräumt hatte, machte es sich Sari etwas einfacher: “Ich hatte mir eigentlich für das nächste Lied eine richtig schöne, lange Ansage überlegt, aber
wenn ich höre, dass wir schon ein bißchen hängen und für das Lied eigentlich gar keine Ansage brauchen, machen wir es kurz: Es kommt jetzt noch ein Lied.” Mit dieser Kurzfassung hatte er
spontan Erfolg, aber wahrscheinlich traute er sich nur nicht mehr, Bemerkungen über das Alter von Ferenc zu machen. Das Lied war When I’m 64 und wurde vom Publikum traditionsgemäß
gerne gehört. Dass das Publikum toll, konzentriert und aufmerksam war, merkte man daran, dass das letzte “Plem-Plem” gut zu hören war, bevor der Applaus losbrach. Es wurde nicht
blindlings bei jeder Geste gejohlt, sondern alles auch sehr bewußt erlebt. Eine wirklich superschöne Atmosphäre! Sofort ging es mit Sensationell weiter, und ich wunderte mich etwas, wieso das als
Cover-Version galt? Das war doch von den Wise Guys! Es begann ganz leise als Schlaflied und knallte dann richtig los. Die Zuschauer machten bege istert mit und zeigten ihre tolle Stimmung. Das Lied ist aber auch klasse. Sehr mitreißend,
witzige Einwürfe .... nur der Schluß! Ohje. Bei der Total-Nacht war er dann noch schlimmer, als sonst, obwohl das kaum vorstellbar war. Eddi sang fetzig: “Nur dein Freund....” und sollte dann
eigentlich noch etwas über diesen doofen Typen sagen, aber das Stück endete mit einer zögernden Sprechstimme: “Ist so’n...” Stille, dann: “Mir fällt nix, überhaupt nix ein.” Ein völlig
abgekackter Schluß! Einerseits witzig, aber andererseits bedenklich, dass auch der an dieser Stelle vorgesehene, übliche Schluß nicht viel besser gewesen wäre. Sari betonte, dass das
Stück auch deshalb aus dem Programm raus sei, weil sie den CD-Schluß, den ihr Ton-Ingenieur Uwe Baltrusch im Studio gesprochen hätte, nicht so gut hinbekommen würden. Nun ja.
Sari hatte sich übrigens die gleiche Frage gestellt, die mich beschäftigt hatte: “Warum haben wir diese Nummer im Coverblock? Keine Ahnung.” Von hinten wurde ihm etwas zugeraunt: “Ach,
wegen dem Anfang. Ich dachte, wir wären schon so gut, dass wir uns jetzt selber covern würden. Also ein Zeichen von Größenwahnsinn.” Er blickte auf den Zettel mit dem
Programmablauf und sagte: “Das nächste Lied ist eigentlich auch von uns”, lachte los und fand eine Erklärung: “Es ist eigentlich ein Klassiker, den darf man covern.” Clemens kam mit
Percussion-Instrumenten, das Publikum freute sich, und Meine heiße Liebe begann. Clemens schwärmte von seiner Liebe, der Backgroundchor sang “mokka-mokka-mokka” und ich fragte
mich, warum ich mich angesprochen fühlte, und Sari legte eine sehr aktive, gelenkige Schlußtanzeinlage auf’s Parkett. Sofort ging es mit Skandal weiter, wahrscheinlich darum ohne Ansage, weil man nicht schon
wieder erklären wollte, wieso sich das Stück im Coverblock befand. An der Textstelle: “...springen nackt aus einer Torte” gab es freudige Ausrufe im Publikum, die das wohl für eine
gute Idee hielten. Leider setzten die Wise Guys es nicht in der Bühnenchoreographie um, obwohl sie sonst immer so kreativ waren. Über den Skywalker sagte Sari, er wäre ein Versuch gewesen einen Titel für eine Kinoserie
zu schreiben. Leicht resigniert schloß er: “Der Text war vielleicht zu versponnen. Hätte was werden können.” Die Choreographie war klasse, besonders, als Eddi im Zeitlupentempo vor den
in Gegenrichtung gleitenden Kollegen herlief. Super! Im Schlußakkord schlug Ferenc mit einem Plastik-Star-Wars-Schwert auf Eddi’s Kopf, der fiel zu Boden, und Sari lobte nach dem Endapplaus anerkennend: “Großes Kino!”
Sari erzählte von einer Fragstunde an einer Schule, bei der die kreativste Frage gewesen wäre: “Seid ihr eigentlich schwul?” Clemens hätte schlagfertig geantwortet: “Nee, aber wenn
wir es wären, dann könnten wir auf unseren Touren jede Menge Spaß haben!” Das Publikum klatschte lachend los und hatte genauso viel Spaß, als Sari sofort anschließend das nächste Lied ankündigte: “Wir werden ein Lied über
Freundschaft singen.” In das laute Lachen hinein versicherte er schnell: “Es geht eigentlich nur um Freundschaft.” Mit lautem Geschrei wurden die ersten Töne von Rasier dich begrüßt, das nun
wirklich eine ganz echte und darüberhinaus ganz wunderbare Cover-Version war. Allerdings behandelte Ferenc den armen Sari nicht sehr umsichtig und schleuderte ihn nicht nur am Ende
nach links, sondern fast schon davor nach rechts. Sari kam ziemlich sauer vom Bühnenrand zurück, Ferenc flüchtete ängstlich und warf sich dann vor ihm auf die Knie und überreichte um
Entschuldigung bittend eine der Metall-Rosen. Ein übler Trick, auf den Sari gleich reinfiel und sich versöhnt zeigte. Es gab donnernden Applaus, und die letzte Moderation wurde von Dän übernommen: “Wir
schließen diesen dritten Block mit einem Lied, tja, das müsste eigentlich ganz am Schluß kommen, aber es kommt jetzt schon.” Wonderful world von Louis Armstrong begann sanft und war sehr schön.
 
Dän trug eine Sonnenbrille und beanspruchte seine Stimmbänder mit rauhem, kratzigen Louis-Armstrong-Sound, die anderen Vier machten einen schönen Begleitchor. Als es um
“friends” ging, umarmten sich die Hintergrund-Sänger paarweise, und Dän stoppte das Singen, guckte in aller Ruhe seine Sonnenbrille an und ließ die Kollegen in ihrer innigen Haltung
verharren. Sari winkte ungeduldig, aber es dauerte, bis sie der Leadsänger mit dem neuen Einsatz gnädig erlöste.
 
Nach dem letzten Satz begann Applaus im Schlußton, aber Dän winkte ihn schnell ab, um noch sein gesungenes: “Oh, Ye-ye-yesss-sss-sss-sss” anzubringen. Dann platzte aber Jubel und
Geschrei los, und die Wise Guys gingen still nach rechts ab. Fand ich übrigens schön, dass die Blöcke immer so klar und einfach beendet wurden und nicht durch Verbeugungsarien am Ende
unruhig wurden. Ein schneller, ruhiger Abgang, und die Pause konnte beginnen. Live and let die Die Philosoffen Griechischer Wein 1001 Nacht King of the road Vielen Dank für die Blumen
Root Beer Rag When I’m 64 Sensationell Meine heiße Liebe Skandal Mach mir den Skywalker Rasier dich Wonderful world
zum Konzert 4.Teil
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