Sonntag, 19.September 2004 Die WISE GUYS im Senftöpfchen, Köln
Das einzige Konzert, bei dem die Wise Guys noch
ohne Mikrofone, also ganz ohne technische Verstärkung auftraten, war das kleine Senftöpfchen-Theater in der Kölner Altstadt. Die Karten für die Konzerte dort waren jedesmal in Rekordzeit verkauft und trotz der sehr
heftigen Getränkepreise wollten sich viele Leute die Wise Guys in der intimen Atmosphäre und mit dem ungewohnten Konzertklang nicht entgehen lassen.
Laute Musik empfing die eintreffenden Zuschauer schon vor dem
Theater. Genau gegenüber von der Eingangstüre hatten sich zwei weibliche, pubertäre Teenies mit einem CD-Player platziert und beschallten die Strasse demonstrativ mit der neuen Basta-CD. Basta-Musik vor dem Eingang zum
Wise Guys Konzert, was für ein Skandal! Das war so albern, dass es schon wieder witzig war. Die wartenden Besucher guckten etwas verwundert, einige fühlten sich durch die penetrante Lautstärke gestört, andere erkannten
die Musik nicht und hielten die beiden für ganz harte Wise Guys Fans, und manche grinsten einfach nur breit über so ein Verhalten. Aber trotz, oder vielleicht wegen der massiven Beschallung vor der Eingangstüre,
verzichtete kein Besucher spontan auf das Wise Guys Konzert. Keiner blieb draußen, um stattdessen lieber die Basta-CD zu hören, und der kleine Saal im Senftöpfchen wurde knackevoll. (Bei dem Gedanken, ich könnte mich
beim nächsten Basta-Konzert mit einer Wise Guys-Beschallung vor die Eingangstüre setzen, könnte ich mich allerdings weglachen. Wäre ja doch schon ziemlich peinlich.)Als alle Besucher saßen und die sehr überteuerten
Pflicht-Getränke vor sich stehen hatten, ging schlagartig das Saallicht aus, die Zuschauer klatschten und johlten los, und die Wise Guys kamen lächelnd auf die Bühne. Gut, dass sie nur zu fünft waren, denn viel mehr Platz war dort oben nicht. Maximal zu siebt hätten
sie in einer Reihe stehen können, aber das hätte dann schon ziemlich gequetscht ausgesehen und alle ausholenden Bewegungen verhindert. Kaum war der Anfangsapplaus fast verklungen, begannen die Wise Guys mit dem
Ohrwurm. Schock! Ungewohnt leise, so ohne jede Mikrofonverstärkung, aber schon nach wenigen Tönen hatten sich die Ohren an den neuen Klang gewöhnt und es war ein ganz besonderes Erlebnis.
Die Stimmen passten harmonisch zueinander, es gab keinen fetten Sound, dafür einen zarten, transparenten Klang, der ungemein reizvoll war. Die Zuschauer waren ganz leise, um alles genau
mitzubekommen, aber es gab auch keine Probleme damit. Die Töne war sehr gut bis in den hintersten Winkel zu hören und die Textverständlichkeit sehr gut. Schön!
Dementsprechend laut und gut fiel der Applaus nach dem Lied aus. Dän freute sich: “Das war ein Begrüßungsapplaus, der für Senftöpfchen-Verhältnisse geradezu euphorisch war!” Ihm fiel auf,
dass die Wise Guys am Vortag die größtmögliche Zuschauermenge gehabt hatten und an diesem Abend im Kölner Senftöpfchen die kleinstmögliche. “Gestern waren wir bei ‘Kölle live’ im
Stadion”, berichtete er und setzte dann im Ton etwas leiser und leicht grinsend hinzu: “War ‘ne riesen Scheiße.” Stimmte gar nicht. War eben nur nicht besonders erfolgreich gewesen. Im
Gegensatz zum Stadion waren die Zuschauer im Senftöpfchen aber extra wegen der Wise Guys gekommen und hörten sich vergnügt Dän’s Verhaltensregeln für den Abend an. Nicht zu laut
lachen, klatschen nur nach ausdrücklicher Aufforderung, und nicht wundern, dass es keine richtige Choreographie gab, weil man eben nur etwas hören konnte, wenn die Sänger mit dem
Gesicht zum Publikum standen. “Wir stehen heute ein bißchen blöd so mehr oder weniger in einer Reihe”, kündigte Dän an und demonstrierte kurz, wie es klang, wenn er mit dem Rücken zum
Publikum sang. “Das ist richtige Arbeit hier”, betonte er, “da sieht man den Schweiß und die Spucke.” Das freute dann ganz besonders die Zuschauer in der ersten Reihe.
Mit den verschiedenen Viererkombinationen stellte er die Gruppe vor, und diesmal blieb Sari einmal alleine stehen, weil er “als einziger ein fleckiges T-Shirt mit Rost-, Schweiß- und
Fettflecken trägt.” Das Publikum amüsierte sich sehr, lachte laut und war gut drauf. Das war für das Senftöpfchen nicht selbstverständlich, denn da konnte man auch gut zahlendes, aber etwas
lahmes Publikum haben. Diesmal nicht, der Saal war voll mit aufgeschlossenen, aufmerksamen und lachbereiten Leuten. Was für eine Nacht war das zweite Lied, sollte eigentlich aufheizen, war durch den nur
mittellaut hämmernden Bass und Rhythmus aber nicht so mitreißend wie bei Mikrofonverstärkung. Witzigerweise hielt Dän die Hand vor dem Mund, als ob er ein Mikro hätte, aber er verstärkte nur
die Mouthpercussion durch den kleinen Hohlraum, den er damit bildete. Das Lied war leiser und vorsichtiger als sonst, fetzte aber trotzdem los. Mitzuklatschen trauten sich die Zuschauer aber
erst, als das Kommando von der Bühne gegeben wurde, und sofort war die Textverständlichkeit stark beeinträchtigt. War beim letzten Refrain aber egal. Es gab großen Jubel, und Dän startete die Zuschauerbefragung.
Zack! knallte das Saallicht an und Jürgen, der überall einsetzbare Mitarbeiter des Senftöpfchens zeigte am Lichtpult, dass er aufmerksam bei der Sache war. Es gab einige
Erstkonzertbesucher, von denen viele die Wise Guys bis dahin nicht mal auf CD gehört hatten und einige Leute, die sogar schon vorher bei einem Senftöpfchenkonzert dabei gewesen waren und
Dän ein erstauntes: “Ach so, Stammpublikum!” entlockten. Einige Zuschauer waren weit gefahren, um das Konzert zu sehen, und Dän fragte interessiert nach: “Woher seid ihr?” “Neuwied.” “Da
fällt mir jetzt nix zu ein.” Er staunte über eine Anreise aus Saarbrücken, übersah aber Johanna aus den hinteren Reihen, die extra aus Lübeck gekommen war und damit wohl den Rekord des Abends hatte. Mit dem
Root Beer Rag ging es weiter, und ich wunderte mich, wie schön das ohne jede Verstärkung klang. Ein richtiger Genuß, und mit der passenden Mimik dazu, die im Senftöpfchen
von jedem Platz aus zu sehen war, auch noch superwitzig. Am Ende hatte Eddi so viel mit seiner Brille hantiert, dass plötzlich ein Bügel fehlte. Er stellte das fest, als er sie beim Endton
aufsetzen wollte und guckte entsetzt. Sari suchte den Boden ab, fand den Bügel, pulte mit ihm kurz wie mit einem Zahnstocher im Mund herum und reichte ihn weiter. Eddi bastelte ihn danach
wieder an die Brille, während Ferenc im über die Schulter hinweg interessiert zusah. Die Brille war blitzschnell repariert, was an den feinmechanischen Fertigkeiten von Eddi, oder am simplen Brillensystem liegen konnte.
In der A nmoderation zu ‘Hallo Berlin’ erzählte Dän kurz vom Fahrradunfall eines Freundes, der
danach von einem Passanten spät, aber passend auf die Gefährlichkeit der Situation hingewiesen worden war. Die vier Kollegen auf der Bühne platzten vergnügt lachend los, und auch Rüdiger und ich lachten breit, denn der
betreffende Freund hatte die Geschichte schon am Vorabend erzählt und schallendes Gelächter ausgelöst. Mit Dän in der Nähe konnte es schnell passieren, dass man dann zum Thema der Zwischenmoderation
wurde. Die Zuschauer hatten genauso viel Spaß an der Story, wie an dem Gelächter auf der Bühne. Hallo Berlin hatte eine sehr starke Melodie und kam auch textlich sofort gut an. Es wurde
gekichert und laut gelacht, und der Klang war so wunderbar transparent, wie ich ihn mir für a-cappella vorstellte. Obwohl ich persönlich ein paar kleine Probleme mit einigen Textstellen
hatte, gefiel mir das Lied insgesamt sehr gut und ich freute mich, dass es anscheinend den Nerv der Zeit traf. Noch im letzten Ton riefen einige Leute: “Klasse!” oder “Bravo!” und zeigten damit
ihre uneingeschränkte Zustimmung. Ein ähnliches Thema, aber eher außenpolitisch, war danach Monica. Schon nach den ersten vier
Zeilen klatschten die Zuschauer laut und zufrieden, als wäre das Lied zu Ende. Wahrscheinlich wirkte der Akkord so abschließend und der Text schon ausformuliert, aber auch wenn es bis
dahin schon gut war, wäre es etwas sehr kurz gewesen. Der Text und die Musik waren von Bodo Wartke, das Arrangement vom Eddi und beides in Kombination war einfach superklasse. Es gab
lautes Gelächter und im Anschluß großen Applaus. Ich fragte mich inzwischen, warum es Mikros gab. Mir fehlten sie nicht. (Ehe es jetzt an mich mails mit ausführlichen Erklärungen gibt: In
einem 1000-Leute-Saal weiß ich wieder, warum es Mikros gibt!) Ferenc sang Alter Schwede und war zwar schön lässig und wunderbar tief, aber nicht besonders
laut. Trotzdem war er gut zu verstehen, denn der Background begleitete leise und zurückhaltend, und nur im Refrain drehten alle zusammen laut auf. Die fehlende technische Verstärkung wurde
mit Temperament ausgeglichen und das Ergebnis war sehr gut. Mit lautem “Oooooooh!” bedauerten die Zuschauer die Wendung in der letzten Textzeile und zeigten damit, dass auch in gemäßigter
Lautstärke alles zu verstehen war. Weil ich ein Kölner bin begann etwas schnell und ziemlich angespannt. Das war genau das Lied,
das am Vorabend im halligen Klangbrei des Stadions mehr durchgestanden, als vorgetragen wurde. Das Stadion hatte nämlich nicht nur die größtmögliche Zuschaueranzahl, sondern auch den
größtmöglichen Hall geboten, und das hatte sich beim ‘Kölner’ als extrem schwierig erwiesen. Dementsprechend war die Anspannung der Wise Guys bei den ersten Zeilen zu merken. Als es
allerdings lief, die Zuschauer vergnügt über den Text kicherten oder auch mal beim Refrain leise mitsangen, entspannten sich Mienen und Haltungen, und ein lockeres Lächeln stand auf den
Gesichtern der Sänger. Puh, es klappte! Sofort ging es mit der Powerfrau weiter. Die bis dahin schon erstaunlich gute Lichtbegleitung
durch Jürgen vom Senftöpfchen-Theater wurde auffallend gut, die Lichter strahlten abwechselnd auf und unterstützten Sari’s bewegungsreiche Performance mit bunter Beleuchtung.
Und das ist jetzt keine Ironie, es war wirklich gut! Zunächst traute sich Sari nicht, weil das Publikum bei den Zwischenposen eher ruhig geblieben war, aber nach einer Aufforderung von
Clemens stellte er sich dann im Endapplaus doch hin und warf die Arme hoch. Sofort gab es lautes Gejohle und weibliches Gejubel. Die hatten sich vorher nur nicht getraut, weil es vom Dän keine
Aufforderung zum lauten Ausflippen gegeben hatte. Dafür kündigte das letzte Lied vor der Pause an, was von den Zuschauern mit einem lauten,
enttäuschten “Ohooooh!” kommentiert wurde. “Nach der Pause ist eine zweite Hälfte geplant”, verriet Dän und gab gleich die Erklärung, warum es an diesem Abend keinen CD-Stand im Foyer
gab: “Sie brauchen das Geld für die Getränke.” Das Publikum hatte eine tolle Stimmung und war sehr locker drauf. Als Nur für dich begann, war das Gelächter natürlich groß. Clemens klagte
bedauernswert herum, und ich hörte auf die Musik und war begeistert. Zarte a-cappella-Klänge, die harmonisch und ausgeglichen klangen, jede Stimme war bewußt rauszuhören und das
Verhältnis stimmte einfach. Warum war das mit Mikrofonverstärkung nicht, oder nur in Ansätzen zu erreichen? Simpel gedacht, müsste jede Stimme nur gleichmäßig angehoben werden, und das
Verhältnis wäre im Prinzip das Gleiche, nur eben lauter. Je mehr Technik ins Spiel kam, desto schwieriger schien es aber zu werden, einen schönen, harmonischen Klang zu bekommen. Von der
Transparenz ganz zu schweigen. Im Senftöpfchen gab es fast eine Probensituation, bei denen die Wise Guys sehr gut aufeinander hören konnten und sich somit klanglich viel näher kamen. Es
waren fünf Menschen, die gemeinsam die Harmonien aufbauten, ohne von Hall, Technik und Filtern akustisch getrennt oder sogar behindert zu werden. Das Ergebnis war wunderschön und
wirklich lohnenswert. Ehrlich - ich bin kein A-cappella-Purist, aber wenn es nur noch Senftöpfchen-Konzerte gäbe, wäre ich sehr zufrieden. Lieber den Bass mal etwas leiser und ein
paar Einschränkungen bei den Arrangements, dafür aber ein intensives, schönes Hörerlebnis. Aber mir ist natürlich klar, dass es in den größeren Sälen eine Verstärkung geben muss. Wenn das
Ergebnis immer überzeugend wäre, würde ich auch überhaupt nichts gegen die Technik sagen. Immerhin gibt es dadurch auch knallende Beats und oft gute Effekte. Leider aber auch hin und
wieder einen versumpften Klang, verschobene Stimmverhältnisse und Lautstärkeprobleme. Mit großem Jubel reagierte das Publikum am Ende auf ‘Nur für dich’, lachte bei der letzten Zeile
laut auf und klatschte, bis die Wise Guys abgegangen waren. Es war Pause. Kaum standen alle Leute vor dem Eingang im Freien, klingelte auch schon wieder eine altmodische, aber nette
Glocke, um alle zurück zu rufen. Mit langsamen Schritten ging es in den kleinen Saal und die engen Stuhlreihen zurück, alle setzten sich hin - und nichts passierte. Das war zu früh geläutet,
denn es dauerte noch ziemlich lange, bis die zweite Programmhälfte dann endlich begann. Zu meiner Verwunderung waren die Jungs nicht mal umgezogen. Was hatten sie in der langen Zeit
gemacht? Es war nicht zu klären, denn Dän startete sofort mit den Sonnencremeküssen. Erst etwas leise in der Leadstimme, dann kräftiger, sang er es super lässig, locker und lächelnd. Im
Mittelteil hatte Ferenc Zeit einige Takte lang etwas Unerwartetes zu machen, und er entschied sich dafür, ruhig auf Dän’s Hand zu gucken. Das war, obwohl nichts passierte, sehr witzig und die
Zuschauer lachten leise vor sich hin. Wahrscheinlich war es so lustig, weil man die Spannung auf der Bühne spürte, “Na, was macht er?”, und dann einfach nichts Spektakuläres kam. Die Lightshow bei
Einer von den Wise Guys war wieder supergut, und erstaunlicherweise ging der Beat laut hämmernd ab. Wahnsinn! Sehr witzig die Szene, als Eddi und Sari nebeneinander
am vorderen Bühnenrand standen und optisch genau in die erste Reihe pinkelten. Die armen Leute da vorne kriegten echt alles ab. Dabei hatte Dän nur von Schweiß und Spucke gesprochen. Das
Gelächter im Zuschauerraum war an witzigen Stellen immer heftig, aber schnell vorbei, denn wer laut lachte, verstand den Text in dieser Zeit nicht mehr. Also großes Vergnügen, das immer wieder
unterdrückt werden musste, dafür aber bei nächster Gelegenheit umso heftiger rausplatzte. Die ansschließenden Chocolate Chip Cookies kamen ebenso klasse an, wie Zu spät. Clemens sang
die Mädels ganz vorwurfsvoll an, Sari klagte laut und Eddi sank verzweifelt auf die Knie. Es war eine supertolle, witzige Nummer! Das Publikum war begeistert und jubelte am Ende lautstark und
mit schrillem Gepfeife los. Sari beugte sich zu Eddi herunter, der ihm liebevoll einen Klaps auf den Hinterkopf geben wollte, aber aus Versehen ziemlich heftig Schläfe und Auge traf. Sari hielt
sich sofort die Hand über das Auge und jammerte in echt los, während Eddi erst erschrocken nachguckte und sich dann vor eventuellen Vergeltungsschlägen ein Stück hinter dem Vorhang in
Sicherheit brachte. Zum Glück war es nicht so heftig, wie es zunächst aussah, so dass Sari ohne blaues Auge weitersingen konnte und kein auffällig verändertes Verhalten zeigte. Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf
war textlich sehr gut zu verstehen und der Rhythmus groovte. Das Publikum klatschte inzwischen nach jedem Stück heftig und begeistert los, und auch
wenn der Applaus immer relativ kurz war, war die Stimmung sehr gut. Nicht nur im Publikum. Auch auf der Bühne hatten die Wise Guys sichtlich Spaß an dem Abend und waren mit Energie und
großem Vergnügen dabei. Dän machte den Kontrast zwischen den beiden unterschiedlichen Teilen bei Wo der Pfeffer wächst noch deutlicher, indem er im sanften Teil ganz klein, gedrückt und
fast kindlich-schüchtern sang. Umso gewaltiger kam dann im Refrain seine Wut zum Vorschein. Sogar das Gesicht wurde rot beim Singen, so sehr regte er sich auf. Sehr, sehr toll! Szenisch
genial auch die Situation nach dem letzten Ton. Während die anderen in einer Schlußposition verharrten, drehte sich Dän sofort nach dem letzten Wort um und ging zügig nach hinten weg. Der
Hammer! Die besungene Person war ihm so egal, dass er nicht mal abwartete, was sie dazu sagte, sondern sofort die Szene verliess. Verletzend, hart und absolut zu verstehen. Genial. Großes Kino
- große Klasse! Wie schön, dass genau dieses Lied als CD-Titel verewigt wird. Eddi stimmte Sing mal wieder an, und ich dachte sofort, dass die Zuschauer für den Mitsingteil
einen zwar großen, aber überschaubaren Chor darstellten. Eddi erklärte im Mittelteil die Spielregeln, die leicht abgeändert waren: “Jetzt sing ich was vor. Bitte mitsingen, aber leise!”
Sonst musste es immer lauter sein! Er sang, die Zuschauer antworteten entsprechend, und er forderte auf: “Schon ganz gut, aber noch’n bißchen leiser!” Clemens lachte breit und wedelte mit
der Hand vor seinem Gesicht herum, um wortlos auszudrücken, dass er Eddi für bekloppt hielt. Leise, aber mit festen Stimmen sangen die Zuschauer, und Eddi lobte: “Toll!” oder “Geil!” oder
brüllte auch mal: “Zu LAUT!”, was bei Clemens wieder zu einem spontanen, kurzen Lachanfall führte. Es klappte alles prima, aber unerwartet kürzte Eddi ab und war plötzlich wieder in der
normalen Strophe. Für Mehrfachtäter wie mich, war das ziemlich überraschend und ich musste aufpassen, nicht einfach weiterzusingen. Nach dem letzten Ton lachte Clemens nochmal breit los,
und Dän lobte das Publikum: “Glückwunsch, wie Sie reagiert haben! Man weiß beim Eddi nie so genau, was dabei rauskommt.” Bei King of the road konnte Ferenc charmant die Verkehrssau raushängen lassen
und fühlte sich dabei so gut, dass er Clemens, als der ihm ein “Idiot” zusang, von hinten eins über den Schädel gab. Clemens guckte verblüfft und man sah seinem Grinsen an, dass er zu gerne einen spontanen
Gegenschlag losgelassen hätte, aber keine Möglichkeit dazu fand. Und dann war es zu spät für spontan.
Der Jubel danach war groß,
versiegte aber irgendwann von alleine, zumal Ferenc demonstrativ an die Bühnenseite ging. Dän stellte zu seiner eigenen Beruhigung fest: “Es gibt immer mehr schöne Frauen, die dabei NICHT
mitklatschen.” Ich habe allerdings den großen Verdacht, dass er das einfach nur behauptete. Er wies noch auf den Afterglow hin, zu dem sie nach dem Konzert in das Foyer kämen, und erklärte,
dass sie sich vorher umziehen würden. “Das ist NICHT unsere Straßenkleidung”, zeigte er grinsend an sich herunter, aber in diesem Moment lachte Ferenc: “Meine doch!”, was zu Gelächter
auf der Bühne und im Publikum führte, denn das stimmte ausnahmsweise an diesem Tag. Deutscher Meister wurde angesagt, und im Oberrang kramten ein paar Fans FC-Schals aus den
Taschen und hängten sie über das Geländer. Sanft und schön erklangen die fünf Stimmen, und beim Refrain setzte das Publikum sofort vorsichtig ein. Wunderschön! Das Gelächter blieb
liebevoll und leise, und erst als Dän Ferenc mitten im Lied wie in einer aktuellen Fernsehwerbung anpöbelte: “Friesischer Obend, nicht griechischer Obend!” platzten alle laut los. Bei Kinder
wurde das fiktive Baby herumgeworfen und landete unbeabsichtigt auf dem Boden, weil es am Ende nicht aufgefangen wurde. Eddi hob es vorwurfsvoll hoch (in zwei Teilen!) und
reichte es an Clemens, der es aus Zeitmangel schnell und nachlässig ins Publikum kippte. Sehr witzig! Am Ende zauberte Jürgen am Lichtpult einen Spot auf Sari, der perfekt passte. Nach
einem kurzen Verharren in den Schlußpositionen guckten die Wise Guys grinsend zu ihm hoch, nickten staunend und hielten anerkennend die Daumen hoch. Rasier dich
war ebenfalls sehr schön, auch wenn Sari am Schluß fast von alleine bei den Pirouetten aus dem Tritt kam, weil er sich auf der kleinen Bühne nicht so austoben wollte. Dafür
haute er Ferenc am Ende keine Plastikflasche über die Rübe, sondern knöpfte ihm langsam das Hemd auf. Bevor aber das Hemd offen war, schlenderten sie schon umschlungen nach hinten, um
dort weitere aufregende Sachen zu machen, aber da war das Lied plötzlich aus. Mist!
Unter lautem Jubel verbeugten sich die Wise Guys einzeln. Die gerufenen Namen waren dabei
überhaupt nicht zu verstehen, sondern mussten von den Lippen abgelesen werden. Sie verliessen die Bühne, und aus der ersten Reihe erhoben sich sofort zwei Zuschauer und begaben sich unter
vereinzelten Buhrufen der Anwesenden zum Ausgang. Als sie gerade im Gang waren, kamen die Wise Guys lächelnd auf die Bühne zurück, erfassten die Situation und reagierten entsetzt. Sie
winkten mit verzweifeltem Gesichtausdruck, baten und bettelten, dass die beiden zurückkommen sollten, und waren völlig fertig. Es war superwitzig und nur für die beiden Zuschauer etwas
peinlich. Natürlich konnten sie bei so einem Aufstand nicht mehr zurückkehren, sondern verliessen möglichst zügig den Raum. Sari und Eddi machten Anstalten die Bühne für immer zu
verlassen, überlegten es sich dann aber doch nochmal anders. Jetzt ist Sommer war mal wieder in der langsamen, wunderbar entspannten Version zu hören,
bei der es sowieso nur die halbe Lautstärke gab. Relax, baby! Eddi achtete darauf, dass das Publikum ebenso leise mitsang und zeigte mit Gesten an, wenn es zu laut wurde und die Stimmen
gedämpft werden sollten. Singen mit halber Kraft, aber trotzdem voller Spannung, bedeutete hohe Energie, die im Raum mitschwang. Es war richtig toll. Erst ganz zum Schluß wurde ein
schnelleres Tempo angezählt und es ging nochmal richtig los. Am Ende ganz großer Endjubel, ein begeistertes Publikum und zufrieden strahlende Wise Guys,
denen der Abend tierisch viel Spaß gemacht hatte. Ich kannte die Wise Guys auch unverstärkt, war nicht zum ersten Mal beim Senftöpfchen-Konzert, und trotzdem hatte mich der Abend sehr
beeindruckt und ich war hin und weg vom Gesang ohne Verkabelung. Vielleicht lag es auch daran, dass es inzwischen fast nur noch Konzerte in relativ großen Konzertsälen gab, während ich vor
ein paar Jahren immer mal den Drei- oder Vierhunderter-Saal hatte, in dem es kleiner und oft familiärer zuging. Aber steigende Zuschauerzahlen verlangten nach Großveranstaltungen, auch
wenn die meiner Meinung nach nach oben hin für a-cappella-Konzerte begrenzt sind. Das Senftöpfchen-Konzert war klasse gewesen. Extrem wenig Aufwand bei Licht und Technik,
und trotzdem ein wundervolles Konzert, das wirklich ein Erlebnis war. Es ist klar, dass unverstärkte Konzerte nur in kleinen Räumen stattfinden können, aber wäre das Pantheon nicht
auch dafür geeignet? Vielleicht im nächsten Jahr mal versuchsweise eines der Weihnachtskonzerte unplugged? Ich gehe davon aus, dass das ein großer Erfolg werden würde!
Als Anreiz würde ich das sogar extra als unplugged ankündigen, weil es dann bestimmt viele Leute gäbe, die sich genau diese Vorstellung aussuchen würden. Ich auch. Ohrwurm Was für eine Nacht Root Beer Rag
Hallo Berlin Monica Alter Schwede Weil ich ein Kölner bin Powerfrau Nur für dich
Sonnencremeküsse Einer von den Wise Guys Chocolate Chip Cookies Zu spät
Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf Wo der Pfeffer wächst Sing mal wieder King of the road Deutscher Meister Kinder Rasier dich Jetzt ist Sommer
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