HORST EVERS
Geschichtenerzähler

Im Ort Evershorst in Niedersachsen geboren, geht Horst Evers später nach Berlin, wo er Germanistik und Publizistik studiert und nebenbei jobbt. Bereits während des Studiums schreibt er erste Texte und gründet mit Kommilitonen 1990 “Dr. Seltsams Frühschoppen”. Inzwischen ist Horst Evers Geschichtenschreiber und steht als Vorleser seiner Werke auf der Bühne, wo er mit minimaler, aber ausdrucksstarker Mimik fast alltägliche, aber dann doch skurile Geschichten des Alltags vorträgt. Oft ist er selber der tragische Held, der mit Fatalismus annimmt, was das Leben ihm aufbürdet. Klar und treffsicher beschreibt er Situationen, in die sich der Zuhörer leicht hinein versetzen kann und ist dabei mit seinem trockenen Humor und den abgedrehten Gedankengängen wunderbar komisch.

Horst Evers hat unter anderem den Paulaner Kabarett Preis, den Salzburger Stier und den Prix Pantheon bekommen. Im Jahre 2002 außerdem mit seinen Kollegen vom ‘Mittwochsfazit’, Manfred Maurenbrecher und Bov Bjerg den Deutschen Kabarettpreis.
 

Programme:
2004  Gefühltes Wissen
2003  Liederzyklus über die Berliner Bezirke (mit Benedikt Eichhorn)
2001  Horst Evers erklärt die Welt

Bücher:
2002  Die Welt ist nicht immer Freitag
1997  Wedding

CDs:
2002  Mittwochsfazit “Dumm fickt gut”
2000  Mittwochsfazit
2000  Best of Dr. Seltsams Frühschoppen
1997   Einbeinige Jungs mit Tretrollern

Solo-CD:
2002  Horst Evers erklärt die Welt


www.horst-evers.de


DER FRAGEBOGEN:

Was antwortest du auf die Frage: "Was machen Sie beruflich?"
Geschichtenerzähler

Bist du in einem künstlerischen Umfeld aufgewachsen?
Ich bin in Niedersachsen aufgewachsen. Aber wir hatten auf unserem Hof ein Huhn, das konnte surreale Bilder in den Boden kratzen. Das hat mich sehr beeindruckt.

Wann hat sich bei dir gezeigt, dass du in diese berufliche Richtung tendierst?
Wie gesagt, da war auf dem Hof dieses Huhn. Ansonsten relativ klassisch: Lehrerparodien und Schulaufsätze, die mir zu Geschichten entglitten sind. Das dies zum Beruf werden könnte, habe ich aber erst viele Jahre später bemerkt, als ich auf einmal die Kriterien für die KSK-Aufnahme erfüllte.

Wann und in welcher Situation hast du dich bewusst für diesen Beruf entschieden?
Wie gesagt, die KSK-Kriterien. (KSK ist übrigens die Künstlersozialkasse). Tatsächlich jedoch war der bewußte und überlegte Studiumabbruch.

Was würdest du jetzt beruflich machen, wenn du nie Erfolg gehabt hättest?
Wie gesagt, da war mal ein Studium, das wäre auf ein Lehramt: Deutsch und Politik hinausgelaufen. Wahrscheinlich aber hätte ich trotzdem weitergemacht und bei der Post gejobbt. Das ist ja eigentlich die wahre Kunst. Diesen Beruf ausüben, wenn man Erfolg hat, das kann jeder. Aber absolut keinen Erfolg haben und trotzdem weitermachen, das können nur wirklich große Künstler.

Du bekommst Miete und alle Nebenkosten für ein Jahr bezahlt. Bedingung: Du darfst während dieser Zeit nicht auftreten. Gehst du darauf ein?
Sofort, wenn ich während dieser Zeit weiter schreiben dürfte. Ich würde allerdings vorher noch schnell 5-6 extrem teure Luxuswohnungen mit ganz viel Personal in allen Ecken der Welt anmieten. Ich gehe mal davon aus, daß die Reisekosten auch zu den Nebenkosten zählen.

Was macht dir an deinem Beruf große Freude?
Ich empfinde mich als extrem priviligiert. Ich durfte etwas, was mir sowieso große Freude macht zu meinem Beruf machen.

Auf was könntest du locker verzichten?
Aufs Leiden beim Schreiben. Den endlosen, nicht zu gewinnenden Kampf eine Geschichte wirklich perfekt zu erzählen. Ich sehe jede Idee für eine Geschichte, als ein Geschenk, dem ich in der Umsetzung unbedingt gerecht werden muß. Dies gelingt allerdings fast nie.
Dazu natürlich die Angst keine Ideen mehr zu haben. Die Angst, daß das was mich interessiert, keinen anderen mehr interessiert. Und vor allem die Angst, in diesem Falle nicht die Größe zu besitzen, aufhören zu können, sondern stattdessen nur des Erfolges wegen etwas zu machen, was mich eigentlich gar nicht interessiert, ja ich nicht mal mag. Und die schlimmste Angst: das ich dies alles, wenns denn so ist, dann nichtmal merke.
Außerdem sämtliche Büroarbeiten.

Was würdest du gerne so richtig gut können?
Schreiben. Und natürlich Klavierspielen. Und, wo wir schonmal dabei sind: "Gut aussehen", das würde ich auch gerne richtig gut können.

Was würdest du machen, wenn du durch eine plötzliche 10-Millionen-Erbschaft für den Rest deines Lebens finanziell unabhängig wärst?
Bei meinen laufenden Kosten kommt man mit 10 Millionen nicht sehr weit.
Kleiner Scherz. Aber 10 Millionen sind schon sehr viel Geld. Spätestens da beginnt ja die Pflicht etwas wirklich sinnvolles, für viele Menschen sinnvolles, mit dem Geld zu machen. Ich glaube, das ist mir zu viel Verantwortung.
Kann ich nicht nur zwei Millionen bekommen. Zwei Millionen könnte ich glaub ich ohne schlechtes Gewissen sinnlos verprassen. Das traue ich mir zu. Aber 10 Millionen, das ist mir zuviel Druck.
 

(Antworten vom Juni 2004)




(Pressefoto)

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