PRIX PANTHEON 2001 |
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1.Wettkampftag, Mittwoch, 2.Mai |
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Der PRIX PANTHEON, auch “German Spass und Satire Open” genannt, ist eine spannende und
vergnügliche Geschichte. 12 Künstler aus den Sparten Kabarett, Chanson, Comedy und A-cappella zeigen Ausschnitte aus Es ist natürlich nicht einfach, den besten Vortrag aus so unterschiedlichen
Programmen zu bestimmen, bringt aber viel Spaß. Während die 14 Profi- Jury- Mitglieder (in diesem Jahr u.a. Rita Baus, Nina Hoger, Arno Steffen, Heinrich Pachl) den Preis “Frühreif und Verdorben”
vergeben, wählt das Publikum den Gewinner von “Beklatscht und Ausgebuht”. (Am Tag vorher hatte es sogar noch eine Gala des Sonderpreisträgers Dieter
Hildebrandt gegeben, der den Sonderpreis “Reif und Bekloppt” erhielt, aber drei Abende hintereinander war mir dann doch zuviel. Auch wenn es mich sehr interessiert hätte.)
Der Abend im Pantheon begann für mich mit Staunen. Irgendwie hatten sie es geschafft, Stühle, Tische, große Kameras, Handkameras, die 14köpfige Jury, die verschiedenen Künstler
und sogar noch Publikum in das kleine Theater zu bekommen. Auch die Bühne sah mit transparenten, schön beleuchteten Rundvorhängen sehr festlich aus. Prima. Zufrieden konnte
ich mich auf meinem Stuhl zurücklehnen und alles neugierig auf mich zukommen lassen. Immerhin war das erste Geheimnis gelüftet: Die Reihenfolge der Künstler stand fest.
Als Moderator kam dann nicht Rainer Pause, der im Programm angekündigt war, sondern Fritz Litzmann. Rainer Pause spielt Fritz Litzmann so gut, dass ich manchmal nicht sicher bin, wer von
beiden eigentlich der Echte ist und wer sich verkleidet. Die Moderation machte jedenfalls Herr Litzmann in seiner hektischen, armfuchtelnden, nervösen Art. Er predigte Toleranz, auch
für Leute, die nicht aus Bonn kommen und leitete damit zum ersten Künstler über. Es kam Kurt Krömer aus Berlin, ein schmaler, bebrillter, junger Mann, dessen Hose und
Anzugjacke viel zu weit um den Körper schlackerten. Die Haare standen wirr nach oben und mit seinem freundlichen Lächelns wirkte er, als wäre er geistig knapp an der Hilfsschule
gescheitert. Mit hoher, dünner Stimme, die sehr an Honecker erinnerte (erinnert sich noch einer an Honecker?), und leichtem Berliner(?) Dialekt erzählte er von sich und seinem heutigen
27. Geburtstag. Er erwartete Geschenke und wurde sauer, als er nichts bekam. Schließlich pöbelte er sogar das “Technikerpack” bei Kamera und Ton an, die ihrerseits mit einer starken
Tonverfremdung seines Mikros reagierten, was ihn kleinlaut werden ließ. Mit sanfter Stimme erzählte er dann über TV-Programme und warum er seinen Fernseher aus dem Fenster
geworfen hatte. Das Publikum hörte aufmerksam zu, lachte auch, aber Kurt Krömers Erzählung war doch ein wenig lahm. Er hatte es natürlich schwer, so als erster Programmpunkt, aber ich
befürchte, er wäre auch als letzter nicht so überzeugend gewesen. Richtig rund war es noch nicht. Der nächste war Marius Jung aus Köln. Die Hautfarbe milchkaffeebraun, die Haare schwarz
und er machte sogleich grinsend klar, dass er trotz seines Aussehens keine Ethno-Nummer geben würde. Stattdessen berichtete er von den Jugendmessen der 70er Jahre, ( “Da brannte
die Luft!”) und stimmte beispielhaft auf einer alten Gitarre “Danke, für diesen guten Morgen” an. Sehr schön, weil er dabei ständig Pausen machen mußte, um sorgfältig den nächsten Akkord
zu greifen. Um die Kirchen heute wieder vollzukriegen, schlug er Dankes-Messen für verschiedene Gruppen vor. Das führte er auch sofort sehr charmant und überzeugend mit
Musikbeispielen vor. Für LKW-Fahrer im Gunther-Gabriel-Trucker-Stil, mit Karnevals-Musik für die Kölner im Dom (“No d’r Messe jonn mer jet esse...”), oder als Boygroup (“Können Sie mal
so kreischen wie 12 bis 14jährige Mädchen?”) Neben der sehr guten Darstellung mit ausgeprägter Mimik und viel Körpereinsatz konnte er auch noch wirklich toll singen! Es machte
sehr viel Spaß zuzuhören, und besonders sein Abschlußlied, in dem er wie in einem Werbesong fast ein komplettes Supermarktangebot schmuseweich besang, war klasse. Am Ende seiner 20
Minuten gab es sehr viel Gejohle und Applaus und ich setzte ihn sofort auf meine ‘Da- muß- ich- unbedingt- mal- hin- Liste’. Überzeugend kurzweilig und gut.
Wie immer in den Umbaupausen kam Fritz Litzmann auf die Bühne und diesmal lobte er die Leute, die sich Notizen machten. (Ich war also nicht die einzige.) “Das ist vorbildlich. Aber nicht vom Nachbarn reingucken lassen!!”
Die einzige Frau des Abends (laut Fritz Litzmann eine ‘Minderheit’, die zudem froh sein könnte, auf die Bühne zu dürfen, da Frauen das erst seit 150 Jahren machen dürfen,) war Luise Kinseher
aus Bayern. Sie erzählte, dass sie beim Fernsehen sei und war sehr stolz auf ihre 175. Rolle als Leiche. (“Bei ‘Titanic’ ist man ja nur eine unter viele, aber so am Anfang vom
Tatort...”). Mit Brille und Mantel sah sie dann plötzlich 15 Jahre älter aus und wartete vor einer Raststätten-Toilette auf ihren “Heinz”. Da sie kurz vorher einen Fund auf der
Damentoilette gemacht hatte, “Heiiiinz, bei Damen liegt eine Leiche!”, sinnierte sie über die eigene Beerdigung und erzählte, daß der Leichenschmaus für sie und ihren Heinz schon
vorgekocht in der Tiefkühltruhe liegen würde. Makaber, witzig und irgendwie sehr lebensecht. Erschreckend überzeugend und wirklich gut. In der letzten Rolle war sie dann eine
Kommissarin, die den Fall untersuchte. Also, ich habe nie Hannelore Elsner in ihrer TV-Rolle als Kommissarin gesehen, aber so wie Luise Kinseher spielte, könnte ich sie mir vorstellen. Ätzend
weiblich, leicht durchgedreht und in dieser übertriebenen Darstellung sehr zum Lachen. Es gab viel Applaus für sie. Nach einer kurzen Pause war die Gruppe BASTA aus Köln dran. Am Begrüßungs-Jubel des
Publikums konnte man merken, dass von vorneherein viele Fans im Saal saßen. Kleiner Heimvorteil, also, aber das ist ja normal, wenn eine Veranstaltung im Nachbarort stattfindet.
Sie starteten mit einer witzigen Kombination aus Beatles, Buena Vista Social Club und James Bond und bekamen viel Applaus. Besonders die gut eingeübte Choreographie wirkte auf der
kleinen Bühne und sah schön aus. Danach “Er gehört zu mir” und “Satisfaction”, bei denen der Frontman (ich glaube, er heißt René) aufdrehte und seine Show machte. Es war wirklich sehr
witzig und paßte gut in den Rahmen des Prix Pantheon. Lautes Gelächter im Publikum und viel gute Laune, weil das Zusehen Spaß machte. Am Schluß gerührt lächelndes Publikum bei der
romantischen Ansage an Sabine und fragende Blicke Wo sitzt sie?, gefolgt von lautem Gelächter beim ersten, aufklärenden Refrain. Im Mitsingteil bei “Bindungsangst” wurde das
Publikum gefordert und es war ein wirklich guter Auftritt, der am Ende viel Applaus und Gekreisch bekam. Nächster war Horst Evers aus Berlin. Ein ruhiger Mensch, der ohne viel Aufwand fast normale
Texte liest. Ich hatte ihn beim Kabarettfest im Pantheon schon gesehen und war ein ganz großer Fan. Er trifft genau meine Humorschiene und ich finde seine Sachen zum Schieflachen.
Allerdings ist er leicht gewöhnungsbedürftig, darum war ich mir nicht sicher, ob er seine Art in 20 Minuten überzeugend vermitteln konnte. Einleitend erklärte er ernsthaft, warum er seine
Texte liest und nicht auswendig lernt. “Ich hab nun mal in der Jugend die Ausbildung zum Lesen gemacht...” Dann begann er mit dem ersten Text und schon bei der Stelle: “Frühling ist
‘ne schöne Sache. Ich bin auch dafür, dass das weitergemacht wird...” gab es das erste glucksende Gelächter im Publikum. Das steigerte sich dann. Es gibt ja ganz viele Arten von
Lachen im Theater. Bei Horst Evers war es das tiefe, nach-Luft-schnappende Lachen, das unten aus dem Bauch kommt. Immer mehr Leute hingen schräg auf den Stühlen und konnten mit dem
Lachen nicht mehr aufhören. Im Gegensatz zu Horst Evers, der völlig ernst guckte und mit ruhiger Stimme weiterlas. Mir liefen die Lachtränen aus den Augen. Dieser Humor trifft mich
im Innersten und macht mich fertig. Dabei kannte ich fast alle Sachen schon, weil ich ein Buch von ihm habe. Egal. Es war superwitzig und seine Story über den Appendix und seinen
Krankenhausaufenthalt war spitzenmäßig. Als am Ende seiner Geschichte plötzlich Fritz Litzmann neben ihm stand, guckte Horst Evers ganz erstaunt und fragte verwundert: “Schon
fertig?” Leider ja. Es gab donnernden Applaus für ihn und ich freute mich riesig, dass er so gut angekommen war. Ein absolut toller Programmpunkt, der das Publikum begeisterte. Letzte Gruppe des 1. Abends war ABBA jetzt!
. Ein Flügelspieler und zwei Sänger, alle in Fräcken, brachten Abba-Hits, oder das, was nach der Bearbeitung davon übriggeblieben war. Mit Trauermiene sangen sie sehr getragen “SOS”, wurden plötzlich temperamentvoller und
tobten sogar kurzzeitig über die Bühne, um dann erschreckt in die Beerdigungsstimmung zurückzufallen. Vom ruhigen dreistimmigen Gesang, über HipHop, bis zur Luftgitarren-
Performance gab es alles und ich fand es sehr augenzwinkernd witzig. Als einer der Sänger in einem emotionalen Ausbruch bekannte, dass das nicht sein künstlerisches Niveau sei, gröhlten
sie plötzlich alle Rammstein-mäßig los, tobten über die Bühne und durchs Publikum und es gab viel Gelächter über die Show. Die Klassik traf den Pop als der Bariton Hermann Prey mit dem
säuselnden Bob Dylan sang, und ich fand es sehr vergnüglich. Könnte ich mir mit Spaß einen Abend lang antun, ist voller Unsinn, aber nichts für wahre Abba-Fans. Abba jetzt, eben.
Fritz Litzmann kam ein letztes Mal mit allen Darstellern auf die Bühne und es gab Gejohle, Geklatsche und Getrampel für den Gesamt-Abend. Wirklich viel Applaus für die Darsteller und
gute Laune auf allen Seiten. Für die Zuschauer blieb dann nur noch die Abstimmung. Jeder hatte einen Zettel, auf dem er einen Teilnehmer des ersten Abends als Sieger ankreuzen
konnte. Das war natürlich schwer, denn ich persönlich hätte gerne abgestufte Punktzahlen vergeben. War ja nicht nur einer gut. Aber hier galt GANZ oder GARNICHT und ich mußte mich
entscheiden. Meine geheime Wahl fiel auf Horst Evers, obwohl ich Marius Jung auch sehr gut fand. |
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