Das Damen-Musik-Kabarett Edda Schnittgard und Ina Müller (Queen bee) traf im Bonner Pantheon auf das
Herren-Musik-Kabarett Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn (Pigor & Eichhorn). Und das gleich an vier Abenden hintereinander. Wir waren am dritten Abend, dem Freitag dabei. Wobei der Begriff Musik-Kabarett
natürlich absolut schwammig ist, und eigentlich nur aussagt, dass es da Musik und irgendwelche Texte gibt. Queen Bee hatte ich schon im eigenen Programm ‘Freundinnen müsste man sein’ gesehen, und konnte sie seitdem
uneingeschränkt empfehlen. Bombastisch guter Gesang, witzige Sticheleien und einfach klasse. Bei Pigor & Eichhorn war ich zurückhaltender. Ich hatte sie in einem Kurzprogramm beim Kabarettfestival im Pantheon
gesehen, fand die Texte zum Teil außergewöhnlich gut, zum Teil gewöhnungsbedürftig. Allerdings hatten mir die Stücke, die sie dort zusammen mit Queen Bee machten, sehr gut gefallen. Richtig beurteilen konnte ich sie
also noch nicht, aber was ich gesehen hatte reichte, um sofort Karten für diesen gemeinsamen Abend zu kaufen. Ich war sehr gespannt und neugierig.
Der Abend begann mit Benedikt Eichhorn, der auf die Bühne kam und mit
der Musik am Flügel loslegte. Doch er blieb nicht lange alleine, denn nacheinander kamen Edda, Ina und Pigor hinterher und zusammen brachten sie “Never give up!” Ein sehr temperamentvoller und vor allem lauter Einstieg.
Ina und Pigor sangen zusammen und man merkte an ihren Blicken, dass sie viel Spaß daran hatten. Auf der anderen Seite der Bühne saßen Edda und Eichhorn gemeinsam am Flügel und hauten lachend in die Tasten. Sehr gut
gesungen, sehr gut gespielt, ganz locker und mit Freude. Die gute Stimmung ging sofort auf das Publikum über und der Einstieg war gelungen!
Das erste Thema danach war natürlich der deutsche Kleinkunstpreis, den Pigor
& Eichhorn 1999 verliehen bekamen, und den jetzt die beiden Damen ganz frisch für das Jahr 2001 erhalten hatten. Beide Paare fragten sich, für welche Leistung die anderen den bekommen hatten und es wurde nett
gestichelt. Pigor & Eichhorn führten stolz die komplette Sammlung ihrer Preise vor und das gab schon viel Gelächter. Anschließend legten sie auch musikalisch los. Eichhorn sehr gut am Flügel, Pigor mit etwas steifen
Tanzbewegungen am Mikro. Ein Lied über junge Mädchen in Mexiko, denen er rein wissenschaftlich interessiert auf den Po haut, um zu sehen, wie sie darauf reagieren. Angewandte Ethnologie, sozusagen. Die Mexikanerinnen
haben da mehr Feuer im Blut. Nicht diesen drögen deutschen Missmut. Ähnlich wie die Erklärung war der Text, den Pigor rhythmisch sehr exakt in einer Mischung aus Gesang und Rap von sich gab. Wahrscheinlich bin ich in
den letzten 10 Monaten seit dem Kabarett-Kurzprogramm intellektuell sehr gereift, oder ich bin offener geworden, oder ich habe jetzt erst erkannt wie gut es ist: Ich fand es total klasse! Der Text wirkte wie
improvisiert gesprochen, war aber natürlich exakt durchdacht und wurde jetzt in rasantem Tempo und perfektem Timing gebracht. Dazu gab es auf der Bühne viel zu sehen, denn Pigor haute Edda am Anfang wirklich auf den Po
und erntete dafür böse Blicke.
Danach kam Queen Bee dran. Pigor & Eichhorn setzten sich zu den Zuschauern an den Bühnenrand und die beiden Frauen röhrten ihr “Stramm genuch” in den Raum. Einfach Wahnsinn, wie die
singen können! Am Schluß wurden ihnen viele Stofftiere auf die Bühne geworfen, die Eichhorn während des Liedes aus zwei Säcken an das Publikum verteilt hatte. Kopfschüttelnde Bemerkung von Pigor& Eichhorn zu dem
Lied: “Dafür kriegt man’n Kleinkunstpreis. Der ist auch nicht mehr, was er früher war.”
Die beiden Paare einigten sich, dass jeder von ihnen ein Wunschlied singen dürfte, und dabei auch bestimmen konnte, was die
anderen dazu machen sollten. “Du stellst dich dahin und du bist Chor!” Diese Mischung war wunderbar und beide Gruppen ergänzten sich und passten einfach zusammen. Es wäre völlig in Ordnung, wenn sie immer als Quartett
unterwegs wären, so harmonisch wirkte die Zusammenstellung. Ina und Edda zankten sich bei diesem Programm übrigens gar nicht, aber Pigor unterdrückte den armen Benedikt Eichhorn durchgehend. Er kommandierte ihn herum,
stahl ihm die Witze und schickte ihn immer wieder zum Flügel. Nicht umsonst heißt ihr eigenes Programm: “Pigor spielt und Eichhorn muß begleiten”. Natürlich hatte Eichhorn damit alle Sympathien des Publikums. Besonders,
als er ganz freudig aufgeregt ein Duett mit Ina singen wollte, und Pigor ihm den Ton abdrehen ließ und selber sang. Die hilflose Verzweiflung des Pianisten, der weiter begleiten mußte, immer wieder an das Mikro klopfte
und sich schließlich traurig in sein Schicksal ergab, war schon herzergreifend. Armer Eichhorn.
Trotz aller Konkurrenz und Wortsticheleien zwischen den Frauen und Männern gab es zwischen ihnen heiße Blicke, lachende
Augen und supergute Stimmung. War ja alles nur gespielt! In Wahrheit mochten sie sich, das war zu merken.
Sehr schön auch das Saunalied. Die Nebelmaschine verbreitete Dunst, Eichhorn setzte sich in weißem
Frotteebadematel und mit Plastik-Badeschuhen an den Flügel, und Ina und Pigor, auch in Bademänteln, sangen ein Liebeslied. Sie waren Rainer und Iris, die sich in der Saune trafen. Es war wie im Musical. Musik, Gesang,
Herz, Schmerz, und ich wurde irgendwie an die West Side Story erinnert. ‘Maria....’ Allerdings waren es Pigor-Texte, und so wurde mit ernstem Gesicht von “...es sind Schweißtropfen, keine Tränen!” gesungen. So
ganz ernst blieben die Gesichter bei den Darstellern allerdings auch nicht, und an manchen Stellen kamen kurze, heftige Lachausbrüche. Sehr schön und total witzig.
Edda trug danach mit unnachahmlichem Blick etwas
seriös Klassisches vor, und obwohl der Text aussagte, dass nach diesem schwachsinnigen Lückenfüller nur Idioten klatschen, gab es viel Applaus. Inzwischen standen alle wieder gut gekleidet auf der Bühne, nur der arme
Eichhorn saß immer noch im Bademantel am Flügel, weil er durchgehend begleiten mußte und nicht weggehen durfte.
Anschließend sang Ina, im glitzernden Abendkleid sehr lasziv auf die Wendeltreppe drapiert, mit Pigor,
der am anderen Ende des Raumes stand, ein knisterndes Lied über die bevorstehende Nacht. Sex ohne Fragen. Beide waren im verdunkelten Raum mit einem Spot angeleuchtet, und obwohl es auch viel Gelächter gab, war schon
eine prickelnde erotische Stimmung vorhanden. Besonders, wenn man zu Ina schaute. Die sieht ja einfach süß aus! Beide zogen nach dem Lied auch freudig in die Garderobe ab, kamen aber enttäuscht wieder, da es bei den
Vorbereitungen schon einige Mißverständnisse gab.
Und endlich war auch Eichhorn mal dran. Er stand plötzlich ganz alleine mit weit ausgebreiteten Armen auf der Bühne, hatte eine goldene Lederjacke, eine schwarze Hose
und dicke Stiefel an, und strahlte begeistert ins Publikum. “Seid ihr gut drauf??” “JAA!!” Total süß. Besonders, als er grinsend seine Schuhe zeigte und verschmitzt sagte: “Das sind doch nur Moonboots!” Er sang am
Flügel “Sternenhimmel”, ein wunderschönes Lied von ihm, bei dem auch noch die Diskokugel an der Decke startete und viele strahlende Punkte durch den Raum schickte. Es ging um einen Mann, der leider immer zuviel redete
und damit jede romantische Stimmung zerstörte. Im Publikum gab es zunächst viel lautes Gelächter, das aber zum Schluß hin immer weniger wurde. Denn eigentlich war es richtig traurig. Die Stelle: “Küss mich, bitte küss
mich. Ich könnte dein Prinz sein.” war superschön und sehr ernsthaft. Große Klasse!
Ein Medley mit den wunderbar ineinander übergehenden Stücken des Abends beschloss das Programm. Natürlich gab es sehr viel Applaus
und sofort eine Zugabe. “Ich möchte Günther nicht mehr küssen”, ein energiegeladenes Stück, das mir schon im Kurzprogramm super gefallen hatte.
Der Riesenapplaus verlangte eine weitere Zugabe, die natürlich auch kam.
Pigor redete in schnellem Tempo los und erst nach verwundertem Hinhören war klar, welche Sprache er benutzte: Die B-Sprache! Jeder Selbstlaut wird dabei mit einem B davor wiederholt. Aballebes klabar? Die kannte ich
noch aus der Schulzeit, es verlangte aber höchste Konzentration, bei diesem Tempo mitzukommen. Eine junge Zuschauerin schaffte es, sich mit Pigor zu verständigen und bekam großes Lob dafür. Subupeber! Queen Bee und
Pigor & Eichhorn sangen einen ‘Schlabageber’. Im normalen, schnellen Tempo, laut und mit viel Temperament brachten sie “Marmor, Stein und Eisen bricht” komplett in der B-Sprache. Irrwitzig und supergut! “Mabarmobor,
Steibein ubund Eibeiseben bribicht.....” Es war total klasse und eine wunderbare Zugabe.
Nach dem Dankeschön an alle möglichen Beteiligten war dann endgültig Schluß, Eichhorn wurde zum CD-Verkauf geschickt und der
tolle Abend war zu Ende.
Fazit:
Ich finde Queen Bee immer noch extrem gut und werde ganz sicher nochmal in ihr Solo-Programm gehen. Pigor & Eichhorn haben mir so gut gefallen, dass ich auf jeden Fall auch ihr Solo-Programm besuchen werde. Ich kann gar nicht mehr verstehen, warum ich mit manchen Vorträgen im Kurzprogramm Probleme hatte. An diesem Abend fand ich die Texte sehr unkonventionell, aber reizvoll. Und so gut, dass ich mir eine Pigor & Eichhorn CD gekauft habe. (Die neue CD von Queen Bee habe ich schon.)
Der Quartett-Abend der beiden Gruppen (im Sommer 1999 aus einem Spaß heraus entstanden) war wirklich sehr gut, kurzweilig und abwechslungsreich. Es gab viel zu hören, viel zu gucken, sehr gute Musik, klasse Texte und
ganz viel Gelächter. Leider gibt es nur noch wenige Termine und ab Mai keine gemeinsamen Vorstellungen mehr in dieser Form. Wer also die Möglichkeit hat, noch irgendwo Karten zu bekommen, sollte sich das auf keinen Fall
entgehen lassen!
Ein toller Abend! Sehr empfehlenswert!