Stefan Gwildis 28.8.2005 Ringfest, Köln
Was für eine Stimme! ging mir durch den Kopf, als ich beim Soundcheck Stefan Gwildis seine ersten Töne singen hörte. Eigentlich summte er sie fast, oder zog sie langsam hoch, so dass ich mir nicht
vorstellen konnte, wie man das in Noten aufschreiben konnte. Aber wie wollte man auch aufschreiben, dass es voll, samtig, rauh, sexy, soulig und einfach umwerfend klingen soll?
Was für eine Stimme! ging mir aber nicht zum ersten Mal durch den Kopf, wenn ich Stefan Gwildis hörte, denn wenn ich zu Hause CDs laufen ließ, war es häufig eine mit seiner Stimme drauf. Und im
Gegensatz zum Trend, mochte ich seine älteren CDs “Wajakla” und “Komms zu nix” noch lieber, als die “Neues Spiel - Soulklassiker in deutscher Sprache”, mit der er dann den Durchbruch geschafft hatte.
Mit den “Gretes Hits” von den Strombolis, bei denen er eine prägende Stimme war, hatte es bei mir angefangen und ich war sofort fasziniert gewesen. Witzige und berührende Texte, viel Spaß,
Ungezwungenheit und vor allem diese Stimme. Ein gezogener Ton von ihm und ich schmolz lächelnd dahin.
War Stefan Gwildis zum Soundcheck noch unrasiert und in rotem T-Shirt auf die Bühne gekommen,
betrat er sie zum Konzert im schwarzen Anzug und immer noch unrasiert. Unter dem Anzug steckte ein lockeres Hemd, und der Zipfel eines lockeren Einstecktuches in warmen Orangeton ragte lässig aus der Brusttasche.
Dazu gab es robustes Schuhwerk, das an Bergwanderschuhe erinnerte. Da Stefan Gwildis aber aus
Hamburg kam, waren es wahrscheinlich Schiffs-Entlade-Arbeiterschuhe. Vielleicht auch nicht. Egal. Es sah alles sehr cool und lässig aus und passte genau zum Mann, der drin steckte.
Womit ich gleich zu meinem zweiten Gedanken komme, der mir durch den Kopf ging, als er vor mir auf der Bühne stand. Nach “Was für eine Stimme!” kam sofort “Und was für nette Augen!” Grau und von leichten Lachfältchen umgeben, blickten sie
freundlich in die Gegend, und der ganze Mann sah einfach gut aus. “Wie George Clooney”, stand manchmal in der Presse, was ich total albern fand, aber durchaus zögernd zugeben musste, als ich ihn
so sah. Und ein bißchen Ähnlichkeit hatte er auch mit Kevin Costner. Wahrscheinlich waren Kevin Costner und George Clooney aber lange nicht so nett wie Stefan Gwildis, und ganz sicher konnten
sie bei weitem nicht so gut Musik machen wir er!
Er legte sofort los und seine gezogenen, souligen, gefühlvollen Töne trieben mir gleich zu Beginn fast die Tränen in die Augen, weil ich mich so freute,
die vertraute Stimme endlich mal live zu hören. Er improvisierte zu leichter Gitarrenbegleitung ein Begrüßungslied, das textlich speziell für den Mediapark in Köln angelegt war und beim Publikum
freudiges Gelächter auslöste. Bei der gesungenen Stelle: “Danke, dass ihr einen Augenblick eure Grillzangen zur Seite gelegt habt und hierher gekommen seid- das find ich guuuhuut”, grinste ich
breit, denn ich arbeitete ja gerade an meinem Grillplatz und hatte sozusagen den Grillhammer und die Grillsäge zur Seite gelegt. Das konnte er aber gar nicht wissen. Während ich noch grinste, hatte er
seine Musiker vorgestellt, die nach und nach die Bühne betraten, und zusammen ging es in “Allem Anschein nach bist du’s” über. Ein Lied, in dem er perfekt Töne ziehen konnte, rauh und manchmal
hauchig gebrochen singen durfte und einfach die Stimme hatte, die ich hören wollte. Im Wechsel mit der Gitarre improvisierte er im Mittelteil und zeigte dabei eine Stimme, die er wie ein Instrument
nutzen konnte. Wahnsinn. Und extrem emotional und soulig.
Das Publikum ging sehr schön mit, und der große Platz füllte sich. Es waren einige Fans extra für ihn
angereist, die sich textsicher zeigten und sich wohl freuten, dass er mal wieder in der Gegend war. Seine Musiker - Gitarrist, Bassist, Drummer und zwei Keyboarder- waren sehr gut und machten genau
die richtige Begleitung zu seiner Stimme. Nicht zu laut, nicht zu prägnant, aber punktgenau, funkig, soulig und sehr mitreißend.
 
Stefan Gwildis hatte einen guten Publikumskontakt, lachte viel, animierte zum Mitklatschen und
Mitsingen und setzte sich ein. Er sprang, hüpfte, stieß helle “Uouw!”s aus und passte im Verhalten gar nicht zu seinen grauen Haaren und der eigentlich fast seriösen Erscheinung. Aber so seriös, wie er im
schwarzen Anzug auf den ersten Blick wirkte, war er überhaupt nicht.
Nach dem dritten Stück wischte er sich das Gesicht mit einem Handtuch trocken - der Anzug war für
das heiße Sommerwetter dann doch zu warm und seine Bühnenshow zu heftig- und sagte: “Wir kommen jetzt zum letzten Stück. Es war schön mit euch, aber aus Altersgründen...” wurde aber vom lachenden
Publikum ausgebremst. Natürlich ging es weiter, und Stefan Gwildis war anzusehen, dass ihm der Auftritt Spaß machte. Kein Wunder beim Blick auf viele lächelnde Zuhörer, die mitwippten und mitklatschten.
 
“Sie läßt mich nicht los”, eine sehr schmerzliche, emotionale Billy Paul Ballade, war der Hammer. Superschön und ernsthaft gebracht - ich litt mit - und im langen Endapplaus musste Stefan Gwildis
erstmal seine Fassung wieder bekommen. Ich finde es sehr berührend, wenn Musiker sich so in eine Sache fallen lassen können, dass sie danach Zeit brauchen, um wieder in die Realität zu kommen.
Ernst, ganz still und mit noch abwesendem Blick stand Stefan Gwildis im Hintergrund der Bühne und tauchte nur ganz langsam aus seiner ernsthaften Stimmung wieder auf. Er rieb sich nach einiger Zeit
über das Gesicht, die Mundwinkel bekamen nach und nach wieder Spannung und schließlich konnte er sich lächelnd über den Applaus freuen und war mit wachem Blick wieder da.
Allerdings muss ich sagen, dass mich nicht alle Texte begeisterten. Meistens fand ich sie gut oder in
Ordnung, manchmal hörte ich lieber nicht so genau hin. Das war übrigens der Grund, warum ich die Soulklassiker nicht so oft hörte, wie die anderen Stefan Gwildis Sachen, denn ich vermisste bei
manchen Texten etwas die Originalität und Eigenständigkeit. Bei seinen anderen Liedern kam mir das oft witziger, passender und origineller vor, aber das sah ich vielleicht anders als viele Fans. Aber ich hatte überhaupt kein Problem mich in Momenten,
wenn ich den Text nicht so doll fand, ganz auf seine Stimme zu konzentrieren. Da gab es nie etwas zu meckern. Die war immer superklasse und ich konnte sie einfach nur genießen. Dazu hatte er auch
eine tolle Ausstrahlung, und ich vermute, dass er viele Frauenaugen sehr zum Leuchten brachte. Ich fand’s klasse, dass er so gut aussah, aber er könnte auch ein kleiner, häßlicher Typ sein, und ich würde
seine Stimme immer noch lieben. Wichtig war, dass mir schon beim ersten Hören der Stimme auf CD klar gewesen war, dass Stefan Gwildis auf jeden Fall nett und sympathisch, ein lächelnder Mensch sein musste.
Am Ende gab es viel Applaus von einem begeisterten Publikum und natürlich noch Zugaben, die die vorgesehene Auftrittszeit leicht verlängerten. Als Dankeschön vom WDR gab es Enten. Die waren aus
der Sendung mit der Maus und passten farblich zum Einstecktuch von Stefan Gwildis. Das war aber eher Zufall.
Ganz am Ende kam die Ballade “You are so beautiful” als deutsches “Du bist so wundervoll”, nur von
einer Gitarre und wenig Keyboard begleitet und in seiner Einfachheit wunderschön. Diese Stimme! Die so vertraut war und so nahe ging.
Fazit: Ein wunderbares kleiners Konzert vor viel Publikum unter strahlend blauem Himmel und bei
tollem Sommerwetter. Toll! Und ich persönlich finde es wunderbar, dass es die Strombolis gab, ich sie über die Wise Guys
entdeckt habe und mich diese tolle Stimme seitdem in meinem Leben begleitet. Und sehr gut, dass Stefan Gwildis endlich mal den Erfolg hat, den er schon lange haben müsste. Ich freue mich sehr für
ihn. Wer ihn bis jetzt noch nicht gehört hat, sollte das unbedingt ändern.
Fotos von Anette Dewitz |