BILLY JOEL 2. Juli 2006 Festhalle, Frankfurt
Die Frankfurter Festhalle ist rappelvoll und die begeisterten Zuschauer jubeln einem mittelgroßen, etwas älteren, leicht übergewichtigen Herrn mit Halbglatze zu. Er ist unspektakulär mit einem grauen
Jackett bekleidet, zappelt und wippt unruhig auf einem halbhohen Dreibeinhocker vor dem Flügel herum, haut mit Mordstempo auf die Tasten und singt dazu. Und wenn die Zuschauer die Augen
schließen, sehen sie ihn sofort vor sich, wie er vor 30 Jahren aussah: Jünger, dünner und mit dunklem Lockenkopf, aber mit genau derselben Stimme, die nichts von ihrer Kraft und ihrem Charme verloren
hat. Billy Joel klingt noch genauso, wie er schon vor 30 Jahren geklungen hat und scheint nur optisch etwas älter geworden zu sein.
Im Vorfeld gab es Spekulationen. Kann er nach so langer Pause eigentlich noch singen? Hatte er mit der Popmusik nicht irgendwann mal abgeschlossen? Der ist doch so alt und dick geworden!
 
Wer beim Konzert ist, hört es: Er kann immer noch singen, immer
noch Klavier spielen und bringt die Zuschauer mit seinen alten Liedern zu lautstarken Begeisterungsstürmen. Und dass er ein paar Kilo mehr auf den Hüften hat als früher - na und?
 
Das Publikum, erstaunlicherweise überwiegend jünger als er, freut
sich über jedes Lied, singt textsicher mit und bekommt dafür manchen freudigen Blick vom Piano zugeworfen. Zu Beginn sind es eher die ruhigen Stücke wie “Honesty” und “Leningrad”, je länger
der Konzertabend dauert, desto rockiger wird es.
 
Die Band ist klasse, die Lightshow fast simpel, aber extrem wirkungsvoll und punktgenau, Billy Joel unglaublich fit, temperament- und humorvoll, und alles ist erfrischend normal, ohne
überflüssigen Showkram und peinlichen Personenkult. Die Hauptperson des Abends ist natürlich Billy Joel, aber die Musik steht im Vordergrund und er hält sich fast
bescheiden zurück, freut sich über den riesigen Applaus und die Zustimmung des Publikums, wirkt aber weiterhin
eher wie “der Mann von nebenan”, was vielleicht auch an der ausgebeulten Jeans liegen kann, aber sehr sympathisch
wirkt. Dabei ist er ein genialer Musiker, der sehr viele andere Musiker beeinflußt hat und neben seinen großen Hits
verblüffend viele Lieder geschrieben hat, die man auch alle mehr oder weniger kennt. Dass sich das Klavier auf der
Bühne drehen kann, ist nicht zuckersüßer Showeffekt, sondern eine Möglichkeit, den Zuschauern links und rechts der Bühne alle paar Lieder wechselnd mal eine Vorderansicht, mal eine Rückenansicht zu bieten.
 
Mit seiner unverwechselbaren, sanften, aber kraftvollen Stimme und seinen typischen jazzigen Pianoeinlagen spielt er ein Stück nach dem anderen, wirbelt mit dem Mikrofonständer herum, hüpft
über die Bühne, setzt sich voll ein, und das Publikum hüpft mit, klatscht im Takt oder wiegt sich sanft hin und her - je nachdem. Die Stimmung könnte nicht besser sein, das Publikum
ist hochaufmerksam und voll positiver Spannung. Eine heiße, explosive Atmosphäre, die sich immer wieder in Jubelstürmen nach den Liedern austobt.
 
Nach zweieinhalb pausenlosen Stunden und Songs wie “We didn’t
start the fire”, “She’s always a woman”, “Innocent man”, “Movin’ out”, “It’s still Rock’n’Roll to me”, “Uptown girl”, “Only the Good die young” und “Italien restaurant” gibt es am Schluß den “Piano
Man” und die Menge wiegt sich noch einmal im Takt und singt lächelnd mit.
Standing Ovations am Ende nicht nur für den großartigen Konzertabend, sondern auch als Danke für Billy Joel, die
Tour nach so vielen Jahren und für die Musik, die er geschrieben hat. Ein Highlight-Abend!
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