“Olli Dittrich mit special guests” im Pantheon, das hörte sich interessant an. Wir kauften Karten und hörten erst später,
dass einer der Gäste Bastian Pastewka wäre. Noch besser. Allerdings guckten viele Leute, denen wir die Namen sagten, sehr nachdenklich. “Ääh, ja, die Namen habe ich schonmal gehört.” Mit der Ergänzung: Olli Dittrich ist
der aus “Samstag Nacht” mit den “Meldungen vom Spocht”, und Bastian Pastewka ist “Brisko Schneider” aus der “Wochenshow”, zeigte sich sofortiges Erkennen und meistens erschien ein freudiges Grinsen auf den Gesichtern.
“Hey, super!”
Was bei diesem Zusammentreffen ablaufen würde, wußte ich allerdings nicht. Insgeheim hoffte ich, dass es vielleicht mal etwas ernsthafter und ruhiger werden könnte, denn beide Schauspieler sind auch
kritisch und können ganz leise und nachdenklich sein.Das Pantheon wollte an diesem Abend den Rekord des vollsten Theaterraumes aufstellen und es muß ziemlich nahe dran gewesen sein. Sogar Größen aus dem Showbusiness
waren als Zuschauer dazwischengequetscht, und ich erkannte Hugo Egon Balder, Horst Schroth und zwei Wise Guys, deren Namen mir gerade entfallen sind. (Ich überlege gerade, ob Hugo Egon Balder in sein Tagebuch schreibt,
dass am Nebentisch Anette Dewitz gesessen hat, aber ich befürchte, er führt gar keins!) Es wurde dunkel, laute Showmusik erklang und unter Scheinwerferlicht erschienen Olli Dittrich und Bastian Pastewka auf der
Bühne. Jubel vom Band und auch live aus dem Saal, die beiden verbeugten sich showmastermäßig und dankten mit Lächeln und Gesten für den langen Applaus. Als es endlich leise war, riefen sie ein lautes “Tschöö!” und
gingen ab. Erneut ging die Showmusik mit dem Jubel an, sie kamen wieder, erhielten jetzt sogar Blumen, da war plötzlich der Strom auf der Bühne weg. Ratsch!, und sie standen still im Dunkeln. Mit Taschenlampen
beleuchteten sie ihre Gesichter abwechselnd von unten, wenn sie sprachen, was sehr witzig aussah und besonders bei kurzen Sätzen sehr abgedreht wirkte. Ein schöner Anfang. Als das Bühnenlicht wieder anging, erzählten
sie, dass sie schon 1978 in der Comedytruppe “Die Juxraketen” zusammen aufgetreten sind, und gaben ein paar Kostproben aus der Zeit. Na ja. Manche Gags waren gut und witzig, die meisten fand ich allerdings etwas flach.
Nicht, dass ich besonders kritisch war, denn ich finde Bastian Pastewka und Olli Dittrich wirklich klasse und halte viel von ihnen, aber es war mir oft nicht gut genug. Nach 5 Kölsch mit netten Freunden in einer Kneipe
hätte ich wahrscheinlich bei den meisten Sachen glucksend auf dem Stuhl gehangen, aber für einen Bühnenauftritt bei Cola light waren mir viele Kalauer einfach zu billig. Die beiden Darsteller hatten trotzdem Spaß,
warfen sich die Pointen zu und stolperten auch schon mal schnell in Spontangags. Sie merkten selbst, wenn die Witze nicht gut genug waren, und bei einer Folge von Arztsketchen sagte Bastian Pastewka nach einem wenig
belachten Gag: “Herr Patient, der Sketch ist beim Publikum nur mittelmäßig angekommen:” woraufhin beide sehr grinsen mussten. Es war trotzdem nett den beiden zuzusehen, ich lachte auch immer wieder, aber eher, weil ich
Bastian Pastewka süß fand und auch Olli Dittrich sehr sympathisch normal war. Nach dieser Eröffnung ging es mit Solostücken weiter. Zunächst erklärte Bastian Pastewka die unterschiedliche Moderation von
verschiedenen Sendungen und parodierte sie äußerst gut, treffend und sehr lustig. Plötzlich klingelte ein Handy im Zuschauerraum. Bastian Pastewka brach mitten im Satz ab, ließ die Arme sinken, guckte etwas fassunglos
zu dem Übeltäter und rief dann laut von der Bühne: “Er ruft zurühück!!” Während die Zuschauer lachten und der Mann peinlich berührt an seinem Handy rumfummelte, flüsterte Pastewka ihn entschuldigend lächelnd, aber sehr
vernehmlich an: “Darf ich weitermachen? Ich will nicht stören. War kurz vor der Schlußpointe.” Sehr gut! Ich persönlich wäre ja dafür, dass bei einem während der Vorstellung klingelnden Handy sofort 50 Euro für einen
guten Zweck bezahlt werden müssen! Olli Dittrich löste seinen Kollegen nach beendeter Pointe ab und erschien in Jogginghose, Bademantel, Latschen, mit Plastiktüte in der Hand und Klätschhaaren auf dem Kopf. Total
überzeugend im Typ und erschreckend echt. Solche Leute gibt es, die nicht allzuviel im Kopf haben, etwas einsam sind und einen zulabern, bis man endlich flüchten kann. Sehr gute schauspielerische Leistung, aber leider
etwas zu lang. Auf die Hälfte gekürzt, ware die Nummer knallig gut gewesen, aber da kein richtig guter Endpunkt kam, fühlte ich mich fast schon wirklich vollgelabert. Trotzdem ein großes Lob für die Darstellung!
Bastian Pastewka war danach Fritz Egner und moderierte von den “witzigsten Werbespots der Welt”, über die “geilsten Pornos der Welt” bis zur “schlechtesten Schlußpointe der Welt”. Und die war wirklich nicht gut. Die
restliche Parodie mit einem ätzenden bayerischen Egner-Dialekt war allerdings schnell und gelungen. Mit Musik ging es weiter, Olli Dittrich brachte Herrn Hartmann mit Gitarre und Susi mit sexy Kleidung und Stimme mit.
Ich hatte sie in dieser Dreikombination unter dem Namen”die Affen” auch schon im Fernsehen gesehen. Die Musik war etwas ungewöhnlich, hörte sich größtenteils aber gut an. Susi war sehr temperamentvoll und es war witzig,
als Olli Dittrich den Sinn eines Liedes ausführlich in Sauerländer Platt erklärte und die beiden Kollegen immer wieder lachen mußten. Aber auch hier fand ich die Texte oft etwas einfach und hätte mir originellere
Formulierungen gewünscht. Wahrscheinlich nur, weil ich glaube, dass Olli Dittrich und Bastian Pastewka weit mehr können, als sie zeigten. Als Pastewka dann auch mitsang, und es um “Ruby” ging, die auf der Golden Gate
Bridge saß und die Füße ins Wasser baumeln ließ, fand ich es aber wieder sehr witzig. “Neues vom Spocht” war grandios. Einfach bewundernswert wie Olli Dittrich in rasendem Tempo mit den Worten spielte, veränderte,
neuen Sinn hineinbrachte und den Zuschauern alles lässig um die Ohren fetzte. Superklasse!! Geniale Gags, von denen ich die Hälfte wahrscheinlich nicht mal mitgekriegt habe. Wenn es etwas dauerte, bis das Verstehen beim
Publikum einsetzte, grinste Dittrich verständnisvoll: ”Manches dauert....” Seine Fußballmeldungen mit Tiernamen war supergut. Kaum zu fassen, dass so falsche Worte vom Gehirn doch sinngemäß richtig verarbeitet werden
können. Beispielsätze: “RABE nichts anders HUHN können. So wird Bayern HÜHNCHEN nie TorWELLENSITTICH.” Nach einem textreichen, gesungen Rezept in hohem Tempo (wie kann man nur ein Rezept singen? *grins*) ging es in
eine 20-Minuten-Pause. Ich hatte zwar oft gelacht und häufig gegrinst, war aber trotzdem etwas enttäuscht. Irgendwie hatte ich bessere Sachen erwartet. Entweder richtig gute Gags, oder eine gnadenlose Albernheit, die
auch die blödesten Sachen aufwertet. Bisher war es nur stellenweise richtig gut, ansonsten eher zu flach und weit unter dem Können von den beiden Hauptdarstellern geblieben. Na, es gab ja noch einen zweiten Teil. Der
begann auch gleich gut. Bastian Pastewka kam in Jogginhose, quäkte zum quietschenden Vergnügen des Publikums mehrfach: “Ääääääaaaaaa” und ergänzte schließlich: “Ich weiß’n Witz.” Es war superwitzig, er stellte
umständlich die Theorie auf, dass der Witz vom Witz am Ende liegt, und erzählt darum nur die Schlußpointe. Leute, die keine Witze erzählen können, sind saukomisch, wenn sie einen erzählen wollen. Olli Dittrich brachte
die extrem sexy Susi mit, die eher in Dessous, als in Rock und Oberteil gekleidet war. Sehr scharf. Sie hatte eine tolle Figur, sah wirklich klasse aus, aber ihre gespielte Mimik ging doch ziemlich schnell auf die
Nerven. Zehnmal das empört erstaunte Gesicht gezogen, ist eben eher ätzend, als glaubwürdig. Egal. Sie sah süß aus und sang ein herrliches “Sächsbomb” im passenden Dialekt. Höhepunkt: “Isch bin ‘ne Sächsbomb, hotte,
hotte, hü.” Etwas albern, aber im Kontrast von Bild zu Ton sehr klasse. Zwei weitere Solostücke von Bastian Pastewka und Olli Dittrich waren teilweise sehr gut, aber trotzdem leider zu lang. Ich hatte das Gefühl, dass
einfach jeder 10 Minuten vollkriegen wollte und darum alles etwas ausweitete. Danach aber ein tolles Stück, als alle zusammen ein Burt Bacharach-Stück spielten, das die Carpenters gesungen hatten. “Close to you”, ein
wunderschönes Lied, das von Bastian Pastewka gesungen und am Flügel gespielt wurde. Er sang schön ruhig, seine Stimme war sehr gut und die Töne sauber getroffen. Den Backgroundchor schwabberten die “Affen” softig weich,
und es war romantisch und zart. Im Mittelteil holte sich Olli Dittrich eine Trompete, hob sie langsam an, um die Solostelle zu spielen, und ich starrte ihn bewundernd an. Wow! Er spielte Trompete! Bei den ersten Tönen
fiel ich allerdings fast vom Stuhl. Mit völlig ernster Miene pustete er ungefähr richtige Töne in grauenhafter Qualität, während Pastewka am Flügel weiterspielte, als wäre das völlig normal. Total komisch, ohne jedoch
das schöne Lied zu zerstören. Große Klasse! Eine improvisierte lange Nummer im Wiener Dialekt machte riesigen Spaß, weil soviel spontan fabrizierter Schwachsinn von der Bühne kam, dass es ein reines Vergnügen war.
Bastian Pastewka verirrte sich immer komplizierter im Wiener Prater in eine Gondel zu einem Windpocken-Knaben und fand keinen Ausweg mehr. Olli Dittrich, der ihm die Vorlage gegeben hatte, mußte immer wieder vergnügt
loslachen und ließ ihn einfach hängen. Schließlich platzte Pastewka raus: “Laßt uns um Himmels Willen was singen, ich komme aus der Scheiße nicht mehr raus!” Großes Gelächter beim Publikum, ein gesungenes, witziges
“Memories”, das in “Memory spielen” umgeändert war, dann war laut umjubelter Schluß. Meine Meinung: Ich finde Olli Dittrich und Bastian Pastewka klasse! Der Abend war lustig, auch wenn ich etwas enttäuscht war, weil
sie viel mehr können, als sie gezeigt haben. Ein paar bessere Gags, die Parodien etwas gekürzt, mehr gemeinsam erarbeitete Sketche oder auch Improvisationen, dann wäre es wirklich gut. So war es vergnüglich, aber nicht
umwerfend. Allerdings wäre ich sofort bereit mit ihnen zusammen in einer Kneipe zu sitzen, ein paar Kölsch zu trinken, viel zu lachen und Quatsch zu machen. Und dann würde ich bestimmt auch bei den flachen Gags kichernd
unter dem Tisch liegen und alles total witzig finden. |